Propstei Braunschweig
02.02.10

Mit Blindheit geschlagen...

Kennen Sie das? Da hat mich etwas so aufgeregt, dass ich am liebsten alles um mich herum kurz und klein schlagen würde... Die Wut ist dann so stark in mir, dass sie mich fast blind macht, blind für das, was gut
und richtig ist. Am Anfang dieser Woche stand ein Gedenken, das fast in Vergessenheit geraten ist: Der Tag der Bekehrung des Paulus! Auch dieser Mann war mächtig wütend gewesen. Er rastete aus, weil die Sache des seiner Meinung nach zu Recht hingerichteten Jesus von Nazareth trotzdem weiterging, ja sich sogar immer mehr ausbreitete. Als frommer Pharisäer wollte er das nicht hinnehmen und so besorgte er sich Haftbefehle,um die Anhängerschaft dieses Jesus auch in Damaskus zu bekämpfen. Er war dabei -wie schon gesagt- blind in seiner Wut.
Aber das änderte sich vor den Toren jener Stadt. In einer blitzartigen Erscheinung hört er eine Stimme: "Saul,
Saul, was verfolgst du mich?" Und auf seine Frage, wer denn da zu ihm rede, wird ihm die Antwort zuteil: "Ich bin
Jesus..." Der Gekreuzigte begegnete Saulus also als Lebendiger und stellte zugleich sein bisheriges Denken total
in Frage. Dieses Damaskuserlebnis verwandelte seine blinde Verfolgungswut. Zunächst allerdings in ein zeitweise wirkliches Blindsein. Er sah tatsächlich nichts mehr mit den Augen - und auch seine Zukunft schien ihm im Dunkeln. Nach einer Zeit des Fastens und Betens wurde er dann von einem, den er eigentlich hatte festnehmen wollen, auf Gottes Weisung hin getauft. Daraufhin sah er wieder, auch seinen künftigen Weg. So wurde Saulus zum Paulus, der Christenhasser zum Völkerapostel.
Diese Bekehrung war einmalig und noch heute zehren wir davon. Sicher auch in Zeiten eigener Dunkelheit, wenn wir
meinen, keinen Weg mehr vor uns zusehen. Vielleicht fragen wir uns dann mal, ob Gott uns nicht auch so ergrei-
fen möchte wie seinerzeit Saulus? Um uns zu anderen Zielen oder Aufgaben zu führen? Um uns zu zeigen, dass wir
uns ihm in jeder Lebenslage anvertrauenkönnen.

Verfasser: Pfarrer Wolfgang Jünke