Propstei Braunschweig
07.02.10

Einspruch

Es wird mal wieder auf Sie eingeprügelt – diesmal keine „faulen Säcke“, aber sie seien eben nicht motiviert, nur weil sie Beamte sind. Es ist für unsere Gesellschaft grob fahrlässig, Lehrerinnen und Lehrern (und gleichsam allen Beamten) Unlust zu unterstellen. Ich habe Hochachtung vor Menschen, die sich bis zu 8 Stunden am Tag Schülern aussetzen, deren Respekt sie sich erst erarbeiten müssen. Ich freue mich über Lehrer, die wissen, dass sie auch mal Schüler waren. Hut ab vor denen, die eigene Lebenserfahrungen und Überzeugungen in den Unterricht mit einbringen. Die sich nicht zu schade sind, etwas von sich zu offenbaren – auch Schwächen. Ich erkenne es an, wenn Lehrer neben ihrer Arbeitszeit auf Fortbildungen gehen, um den Anforderungen der Ausbildungsreformen gerecht zu werden. Ich bewundere junge Lehrer, die locker eine 60-Stunden-Woche schieben, weil sie alles zum ersten Mal ausarbeiten. Ich wertschätze älter gewordene Lehrer, die es immer noch verstehen, ihre Schüler zu begeistern. Ich achte Lehrer in der Schulleitung, die klaglos organisatorische Zusatzaufgaben wahrnehmen. Ich schätze Lehrer mit Geduld, mit Liebe zu ihren Schülern und mit einer fördernden und barmherzigen Grundeinstellung.
Ich sage es mal altmodisch: Ich lasse mich gerne „belehren“, wenn ich spüre, dass ein Lehrer sich nicht über mich erhebt. Ich lasse mich gerne „belehren“, wenn ich einsehe, dass etwas gut für mich ist und mir hilft. Ich lasse mich gerne „belehren“, wenn ein Lehrer mir eine Tür öffnet und mich selber über die Schwelle gehen lässt.

Verfasser: Propst Thomas Hofer