Rosensonntag
Man soll keine Maske tragen, sondern sein wahres Ich zeigen. Das ist der Rat aller Berater, nicht nur in den einschlägigen Zeitschriften. Nur wer offen und ehrlich kommuniziert, kann hoffen, verstanden zu werden. Wer sich hinter Masken versteckt, darf sich nicht wundern, wenn es zu Missverständnissen kommt. Das ist richtig, aber heute gilt es dennoch nicht. Denn heute ist „Rosensonntag“. (Im Mittelalter überreichte der Papst am Rosensonntag einer herausragenden Persönlichkeit eine diamantbesetzte Rose, deren Goldknospe mit Balsam und Moschus gefüllt war. Die Rose war Anerkennung für einen „Kämpfer des Glaubens“, der sich um andere Menschen verdient gemacht hatte. Später, im Rheinischen Karneval, hielt das Festkomitee immer am Montag nach Rosensonntag seine Generalversammlung ab und nannte sich Rosenmontagsgesellschaft. Wir Braunschweiger sind mit unserem Rosensonntag also dicht an den Ursprüngen dran. Aber das nur in Klammern gesagt). Heute hat jeder das Recht eine Maske zu tragen und in eine Rolle zu schlüpfen, die ihm gefällt. Natürlich kann man auch ohne Maskerade gut gelaunt sein. Aber die Übertreibung mit Kostüm und Schminke macht deutlich: Immer korrekt sein zu wollen, nie eine Maske zu tragen – eine solche Haltung kann selbst zur Maske und zur Rolle werden, die das wahre Ich mehr verdeckt als zu erkennen gibt. Eine Maske, die man sieht, ist manchmal ehrlicher als die bemühte Offenheit, die selbst zur Maske geworden ist. In diesem Sinne „Brunswiek helau!“


