Propstei Braunschweig
20.02.10

Bei Toyota klemmt das Gaspedal

Das Auto wird immer schneller und du kannst nichts dagegen tun. Eine schreckliche Vorstellung. Aber auch ein Bild für unsere Gesellschaft. Das Leben wird immer schneller und niemand tritt auf die Bremse.
Doch wie viel Tempo verträgt das Leben?
Die Gemeinschaft bleibt als erstes auf der Strecke. Das beginnt mit dem Zusammenbruch der Esskultur. In vielen Familien sind gemeinsame Mahlzeiten zur Ausnahme geworden. Auf die Frage, wann sie zu Hause mit der ganzen Familie essen, meldet sich ein Schüler und  sagt: „Sonntags beim Tatort, da gibt es Spagetti, das ist toll!“ Jeder isst, wann er Hunger hat. Und schnell muss es gehen. Kühlschrank und Mikrowelle machen es möglich.
Wer Zeit für gemeinsame Mahlzeiten hat, hat auch Zeit füreinander, nimmt für einen Moment den Fuß vom Gaspedal.
Am Aschermittwoch hat die Passionszeit begonnen. Es ist auch der Beginn der Fastenaktion „Sieben Wochen ohne.“ In diesem Jahr steht sie unter dem Motto „Sieben Wochen ohne Scheu.“ Dahinter steht der Gedanke: Leben ist Begegnung. Überwinde deine Scheu und wage die Begegnung mit deinen Mitmenschen. Ruf  mal wieder einen Freund an, von dem du lange nichts gehört hast. Nimm dir Zeit für ein langes Gespräch und eben auch für eine gemeinsame Mahlzeit mit deinen Lieben. Zusammen an einem festlich gedeckten Tisch sitzen, beim Essen und Reden die Zeit vergessen - für Familien und Freunde gibt es nichts Schöneres.
Und am Ende der Passionszeit, am Gründonnerstag, feiern wir in den Kirchen die Einsetzung des Abendmahls. Wir erinnern uns daran,  wie tief unser Glaube mit gemeinsamem Essen und Trinken verbunden ist. Wir leben aus der Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen. Und die braucht Zeit.

Verfasser: Pfarrer Friedhelm Meiners, St. Martini