Propstei Braunschweig
28.02.10

Danke, Frau Käßmann

Ihr Fall ist wirklich tragisch - denn unser Land hat Margot Käßmann gut brauchen können. Jetzt bleibt die Frage: Woher kam die Kraft, die sie all die Jahre trug? Und warum reicht sie nun nicht mehr, um auch diese Krise zu meistern?

Wo Margot Käßmann war, war Rampenlicht. Sie hatte was zu sagen. An normalen Sonntagen oder zu besonderen Anlässen, wie wir es bei der Trauerfeier für Robert Enke erleben durften. Viele Menschen vertrautem dem, was sie von sich gab, und fanden bei ihren Worten Trost und eine neue Richtung.

Aber wenn dann eine amtierende Bischöfin in aller Öffentlichkeit über ihren Brustkrebs spricht, von Angst und Körperlichkeit predigt: Der Vorwurf der Selbstvermarktung ließ nicht lange auf sich warten. Wie ist das auszuhalten? Will man das aushalten?

Und dann ihre Scheidung. Die gehässigen Kommentare müssen gesessen haben. Auf der anderen Seite zog sie wohl aus der öffentlichen Zuwendung und Wertschätzung ganz viel Kraft. Und diese Zuwendung wuchs mit ihrer Verwundbarkeit. Hat sie sich zu sehr auf den Präsentierteller gelegt oder legen lassen. Haben wir sie zu sehr getrieben?

Im Amt der Ratsvorsitzenden ging sie hohes Tempo und volles Risiko. Und sie war tief davon überzeugt, dass die Menschen ihr die Gradlinigkeit abnehmen. Dieses Vertrauen hat sie nach eigenem Ermessen durch ihre Trunkenheitsfahrt verspielt. Die Grundlage ihres Selbstverständnisses ist ihr weggebrochen. Und es erscheint konsequent, dass sie jetzt zurückgetreten ist. Ob das angemessen ist, konnte nur sie selbst beantworten. Das hat sie getan. Glaubwürdiger und wahrhaftiger geht es nicht!

Verfasser: Propst Thomas Hofer