Propstei Braunschweig
15.07.17

Ehrenamtliche wollen Vorbild sein

Nähen, stricken, basteln: Der Tagestreff Oase ist ein beliebter Treffpunkt für geflüchtete Frauen und Kinder

Jetzt wird genäht: Die ehrenamtliche Helferin Sybille Hertel (Mitte) zeigt, wie ein Kissen genäht wird.

Gar nicht so schwer: Simone Hering (Mitte) und Sybille Hertel (rechts daneben) zeigen, wie das Schnittmuster entworfen wird. Foto: Rosemarie Garbe

„Hier kann ich mich ja gar nicht konzentrieren“, sagt Sibylle Hertel leicht verzweifelt und blickt wieder auf den Entwurf eines Schnittmusters. Die Frauen am anderen Ende des Tisches bekommen die Feststellung anscheinend gar nicht mit. Sie begutachten lautstark einen Stapel Stoffballen, freuen sich über die unterschiedlichen Farben, halten die Stoffe in die Höhe, drapieren sie vor dem Körper, lachen. Nähstunde im Tagestreff Oase. Jeden Mittwoch kommen Flüchtlings-Frauen – vor allem aus Syrien - in das Gemeindehaus der Dankeskirche, nähen, stricken und basteln, zusammen mit drei ehrenamtlich tätigen Frauen.  
An diesem Vormittag wollen sie ein Kissen mit einem sogenannten Hotelverschluss nähen, eins ohne Knöpfe. Doch die Freude über die gespendeten Stoffe ist so groß, dass die beiden Nähmaschinen zunächst nicht zum Einsatz kommen. Und dann gibt es auch noch so viel zu erzählen. Im Laufe der Monate hat sich ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Ehrenamtlichen und den Flüchtlingsfrauen entwickelt. „Ich komme einfach gern her“, sagt Simone Hering, eine der Ehrenamtlichen. „Die Offenheit und die Herzlichkeit der Flüchtlinge sind ein ganz großer Schatz.“
Die drei Frauen wollen mit ihrem Engagement beweisen, dass es in Deutschland auch Menschen gibt, die Fremden gegenüber nicht ablehnend eingestellt sind. „Ich bin hier, weil ich zeigen will, dass es auch andere gibt“, sagt eine Frau, die bereits Rente bezieht und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie wurde wegen ihres Einsatzes für Flüchtlinge angefeindet und kommt dennoch regelmäßig in den Tagestreff Oase. „Uns geht es so gut, da ist es für mich selbstverständlich, dass ich mich auch andere kümmere“, sagt sie. Simone Hering und Sybille Hertel wollen mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz nicht nur anderen helfen, sie wollen auch ein Vorbild für ihre Kinder sein. Und sie wünschen sich, dass es mehr Menschen gelingt, anderen ohne Vorbehalte zu begegnen.
Rund 13 Ehrenamtliche unterstützen die Arbeit im Tagestreff Oase, einem Anlaufpunkt für geflüchtete Frauen und Kinder. Hier können sich diese in einem geschützten Rahmen treffen, erfahren Unterstützung bei Behördengängen oder Arztbesuchen und können etwas gemeinsam unternehmen. Ganz beliebt sind die Fahrradkurse, erzählt Simone Hering. „Das wollen alle lernen.“ Auch die Ausflüge kommen gut an – oder ein gemeinsames Frühstück. Die Ehrenamtlichen freuen sich über die positive Resonanz. Sybille Hertel: „Es ist einfach ein gutes Gefühl, dass sich hier alle so wohl fühlen.“

Info-Kasten
Tagestreff Oase im Gemeindehaus der Dankeskirche, Tostmannplatz 8.
Öffnungszeiten mittwochs von 10 bis 12 Uhr, zu dieser Zeit wird auch eine Beratung für schwangere Frauen angeboten.  

Verfasser:Rosemarie Garbe