Propstei Braunschweig
20.05.17

Mit der Nadel in der Hand das Leben loben

Erdmute Trustorff gestaltet Bilder zu religiösen und mystischen Themen mit Nadelmalerei

Foto: (Reinhard) Erdmute Trustorff mit Nadel und Faden in ihrem Garten.

Wer die Bilder von Erdmute Trustorff betrachtet, wird unwillkürlich in eine Welt der Farben und Bewegungen hineingenommen. Viele Kleinigkeiten verlangen danach entdeckt zu werden. Ein Motiv taucht an vielen Stellen immer wieder auf: die Hand. Für die pensionierte Religions- und Geschichtslehrerin sind Hände ein Abbild unserer Identität. Der unverwechselbare Fingerabdruck erzählt für sie etwas darüber, wer wir wirklich sind. Schöpferisch können wir mit ihnen wunderschöne Kunst schaffen, Musizieren, für unseren Lebensunterhalt sorgen, einander berühren – aber auch Böses tun. 1999 hat sie begonnen, mit ihren Händen und Nadel und Faden besondere Bilder entstehen zu lassen. Gestickt hat sie schon zuvor. In einer Lebenskrise vor rund 18 Jahren tat sich eine neue Dimension für sie auf. Statt der klassischen Stickvorlagen bestimmten jetzt Motive aus Mythologie und Religion nach eigenen Entwürfen ihre Stickereien. Bald merkt sie, dass eine „Bilderflut“ in ihr aufsteigt. Als eines ihrer ersten Bilder gestaltet sie den „Blick auf das himmlische Jerusalem“. Die Auseinandersetzung mit Mystikern wie Meister Eckart, Teresa von Avila, Hildegard von Bingen und vor allem auch Franz von Assisi inspiriert sie immer wieder neu. Die Langsamkeit des Stickens lässt sie zur Ruhe kommen, die neue Erfahrung von bildender Kreativität ist ein Trost.
Mit den inneren Bildern ist sie eine Weile unterwegs, bis sie mit Farbe und Faden beginnt, die Bilder nach außen zu tragen. Bei einem Praktikum in der Paramentenwerkstatt der Von Veltheim Stiftung in Helmstedt hat sie die Technik des Faden-Legens gelernt. Die Tiefe der Kunstwerke entsteht aber an anderer Stelle. Es sind Seelenlandschaften und Seelengeschichten, die darin erzählt werden. Wer sich darauf einlässt, dem wird etwas mitgegeben - vielleicht sogar das Gefühl, in der Hand Gottes aufgehoben zu sein. Denn diese Hand kommt in den Stickereien immer wieder vor. Darum passt für Erdmute Trustorff auch die Ausstellung der religiös motivierten Bilder am besten in den kirchlichen Kontext. In ihrer Gemeinde in Timmerlah, im Amt für Religionspädagogik, in der Ev. Familienbildungsstätte in Wolfenbüttel und in der Kirche Marienberg in Helmstedt waren sie unter anderem bisher zu sehen. Eins ihrer Lieblingswerke ist ein mehrteiliges Bild zum Sonnengesang von Franz von Assisi. Der Sonnengesang ist für sie ein hochaktueller Aufruf, aktiv Mensch und Natur zu achten und zu schützen. Zu ihrer nächsten Ausstellung in der Wichernkirche wird Erdmute Trustorff im Eröffnungsgottesdienst nicht nur dazu ihre Gedanken sagen. Eva Karras (Sopran und Harfe, Kantorin der Frauenschola Riddagshausen) wird den Sonnengesang als Psalm vortragen und weitere musikalische Beiträge, wie z.B. Prozessionsgesänge, gestalten, Erdmute Trustorff wird mit Bordun-Gesang und alten Instrumenten wie z.B. Gemshorn dabei sein. Eigenhändig - natürlich.
Faktenkasten:
Die nächste Ausstellung der Bilder von Erdmute Trustorff findet vom 28. Mai bis zum 4. Juni in der Wichernkirche Sulzbacher Str. statt. Am 28.5. um 10:15 Uhr Eröffnung mit Gottesdienst. Die Kirche ist geöffnet: Dienstag und Donnerstag vormittags und zu den Gottesdiensten. Nach Absprache mit Frau Trustorff (Tel: 0531/284048) können die Bilder auch zu anderen Zeiten gezeigt werden

Verfasser:Pfarrerin E. Reinhard