Propstei Braunschweig
30.07.17

Alle gemeinsam auf Augenhöhe

Integrationsarbeit im Geschwister Sperling Kindergaten

Bild: Irinia Schmitz mit zwei der Integrationskinder.

Irina Schmitz ist Heilerziehungspflegerin im evangelischen Geschwister-Sperling-Kindergarten
Wenn der Himmel blau ist und die Temperaturen es zulassen, wird die Picknickdecke eingepackt. Die Kinder nehmen ihre Rucksäcke und machen einen Ausflug. In vielen Kindertagesstätten ein normaler Tag im Sommer. Wenn die Kinder der Bärenhöhle des Geschwister-Sperling Kindergarten ihre Sachen packen für einen Ausflug, gehört ein bisschen mehr dazu: 16 Kinder sind in der Gruppe. Vier von ihnen sind Integrationskinder. Kinder, die einer besonderen Förderung bedürfen, weil sie ein körperliches Handicap haben oder in der Entwicklung verzögert sind. Also muss für den kleinen Ausflug einiges eingepackt werden, damit sich alle wohl fühlen können.
Irina Schmitz ist die stellvertretende Leitung der Kindertagesstätte und Heilerziehungspflegerin in der Bärenhöhle. Sie erzählt, wie schön es ist, wenn dann alle auf der Picknickdecke sitzen und gemeinsam die Natur bestaunen. Ganz unabhängig von den Voraussetzungen, die die Kinder mitbringen, verstehen sich die Kinder untereinander besser, als Erwachsene sich das vorstellen können. Manche der sogenannten „Regel“ - Kinder sind so hilfsbereit, dass sie den Integrationskindern die Wünsche von den Augen ablesen und sie ohne Hemmung mit ins Spiel einbeziehen. Zur Arbeit einer Heilerziehungspflegerin gehört die Zusammenarbeit mit Therapeuten, Gesundheitsamt, Ärzten etc. Ein regelmäßiger Austausch ist wichtig, um im Sinne der Kinder agieren zu können. Irina Schmitz ist sich sicher, dass die beste Förderung im Zusammensein mit den anderen Kindern besteht. „Ich finde, das ist das Beste, was es gibt!“ sagt sie. Und meint, dass die Kinder einander als Vorbild auf Augenhöhe begegnen. Sie erzählt von einem Mädchen, das mit fünf Jahren noch gekrabbelt ist – und dann von einem Tag auf den anderen selbstständig angefangen hat zu laufen. Endlich so groß sein, wie die andern, war treibende Motivation. Der Einsatz von Gebärdenunterstützter Kommunikation hilft Kindern mit Sprachentwicklungsverzögerungen, ihre Bedürfnisse verständlich zu machen und bei Liedern und Spielen mit zu agieren. Kein Tag ist wie der Andere. Viele berührende Erlebnisse zeigen Irina Schmitz, dass sie den richtigen Beruf gewählt hat. Ihr Weg dorthin war nicht so einfach. Mit der Wende 1989 wurde ihr Studium in der DDR als Lehrerin für Deutsch und Staatsbürgerkunde nicht mehr so fortgeführt. Sie wollte aber gerne mit Kindern arbeiten. So war sie schon 30 Jahre alt, als sie in Braunschweig an der heutigen Helene-Engelbrecht-Schule die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin machen konnte. Schon als Praktikantin kam sie an die Kindertagesstätte im Kanzlerfeld und ist dort seitdem geblieben. Ein Herzensanliegen ist ihr, den Kindern – und gerade auch den Integrationskindern – so viel Geborgenheit zu geben, dass sie sich selbst annehmen können und ihre Stärken, Fähigkeiten und Fertigkeiten entdecken.
Darum gefällt Irina Schmitz auch das Leitbild der Kindertagesstätte: „ Leben ist Vielfalt. Wir schaffen eine Umgebung, in der Kinder ihre Fähigkeiten entdecken und sich entwickeln können. Wir helfen den Kindern so viel wie nötig und so wenig wie möglich.“


Faktenkasten: weitere Informationen zur Integrationsarbeit des Kindergartens gibt es unter: Geschwister Sperling Kita (wichern.sperling.kita(at)lk-bs(~dot~)de).

Verfasser:Pfarrerin Hanne-Elisabeth Reinhard