Propstei Braunschweig
05.08.17

Zwischen Brasilien und Botswana

Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Namibia: Diskussionen mit Delegierten aus fast 100 Ländern

Farbenfroh: ein Chor aus Namibia

Bibelarbeit in kleiner Runde (von links): Marcia Blasi und Bischof Nestor P. Friedrich aus Brasilien, Norbert Velten, Uta Hirschler und der Bischof von Botswana, Mothusi Jairos Letlhage.

Begegnungen mit Gläubigen aus aller Welt, ein Festgottesdienst mit Tausenden von Menschen im Sam-Nujoma-Stadion in Namibias Hauptstadt Windhuk, Bibelkreise, Andachten, Vorträge und Diskussionen – die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Namibia war für Braunschweigs Pröpstin Uta Hirschler und Norbert Velten, Vorstand der Diakonie-Stiftung im Braunschweiger Land, weit mehr als eine faszinierende Reise ins südliche Afrika. „Wir sind mit unserer Teilnahme reich beschenkt worden“, sagt Uta Hirschler rückblickend. Mehr als eine Woche waren die beiden als Delegierte der Braunschweigischen Landeskirche in Windhuk, zusammen mit mehr als 800 Delegierten und Gästen aus fast 100 Ländern.
„Am beeindruckendsten war für mich, dass wir alle auf Augenhöhe miteinander geredet haben“, sagt Uta Hirschler. „Es war nicht wichtig, ob jemand Bischof oder Sozialarbeiter ist, aus einer armen oder einer reichen Kirche kommt, entscheidend war die Frage, wie lebt ihr als Christen in eurer Welt.“ Gelegenheit zum Austausch gab es etwa bei der täglichen Bibelarbeit in kleiner Runde, bei der sich die Braunschweiger Delegation stets zwischen Bayern, Brasilien und Botswana fand.
Beeindruckend, doch für die Zuhörer nur schwer zu ertragen, waren die detaillierten Schilderungen des kongolesischen Arztes Dennis Mukwege über systematische Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe in seiner Heimat. Er kritisierte, dass die Weltgemeinschaft diese sexuelle Gewalt ignoriere. „Er hat die Kirchen in die Pflicht genommen, sich deutlich zu positionieren“, berichtet Velten.
Ein weiteres wichtiges Thema, das die beiden Delegierten in ihre tägliche Arbeit mit einbringen wollen, ist die Verwirklichung der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Da gibt es in der braunschweigischen Landeskirche nach wie vor Handlungsbedarf, ist sich die Pröpstin sicher. Und auch der Lutherische Weltbund hatte noch nie eine Frau als Präsidentin. In Namibia wurde der Nigerianer Musa Panti Filibus zum neuen Oberhaupt gewählt – als zweiter Afrikaner in der 70-jährigen Geschichte des Weltbundes. Ebenfalls bereichernd: die Begegnung mit Vertretern der Partnerkirche der Braunschweigischen Landeskirche, der Evangelical Lutheran Church in Namibia. Sie war einer der drei Gastgeber der Vollversammlung.
Für den abschließenden vierstündigen Festgottesdienst zur Erinnerung an 500 Jahre Reformation kamen die Gläubigen mit dem Bus aus dem ganzen Land ins Stadion. Alle Erdteile wurden in der Predigt des Bischofs berücksichtigt, es schallten die Kyrie aus Asien und das Gloria aus Afrika durchs Stadion und die Menschen sangen „Wir sind befreit durch Gottes Gnade!“ Ein unvergessliches Erlebnis.

Verfasser:Rosemarie Garbe