Propstei Braunschweig
12.08.17

Pröpstin Uta Hirschler am 12.08.2017 in der nb

Wichtig

Am ersten Arbeitstag und entgegen aller guten Vorsätze sitze er an diesem Abend noch am Schreibtisch, schrieb mir diese Woche jemand. „Könnte mir auch pas-sieren“, denke ich und er-innere mich an den Vater, der uns in den Ferien in Frankreich erzählte, dass er den sicheren Arbeitsplatz in der Stadt aufgab und sich selbstständig machte, um möglichst viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Jetzt arbeitet er nur noch an zwei bis drei Tagen in der Woche und verdient deutlich weniger Geld. Für das Nötigste reicht es. Er ist zufrieden mit seinem Leben, hat Zeit für seine Familie und für sich, und für sein Engagement im Stadtrat. Sportverein oder Musikunterricht für seine Kinder kann er damit nicht finanzieren und auf eine der französischen Eliteschulen werden seine Kinder später auch nicht gehen. Aber das stört ihn nicht. Denn sie wandern viel in den französischen Voralpen und unternehmen einiges. Der Vater möchte, dass seine Kinder selbstbestimmt leben und eine glückliche Zukunft ha-ben. Für seine französischen Freunde schien das keine ungewöhnliche Entscheidung, für seine Verwandtschaft in Deutschland schon eher. Sein Lebensentwurf lässt die Fragen aus Heinrich Bölls „Anekdote von der Senkung der Arbeitsmoral“ lebendig werden: Arbeitet der Mensch nur um zu überleben und später nicht mehr arbeiten zu müssen, oder arbeitet eine Person auch aus Freude an der Arbeit und findet in ihr Sinn? Für den Neubeginn nach dem Ende der Sommerferien bleibt zu wünschen, dass die guten Vorsätze zur je eigenen Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Arbeitens passen und, dass sie sich bis zum Beginn des nächsten Urlaubs halten lassen.

Verfasser:Uta Hirschler, Pröpstin