Propstei Braunschweig
23.11.17

„Kirche in Veränderung“

Landesbischof Meyns unterstreicht die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit

Bericht zur Lage: Landesbischof Dr. Christoph Meyns.

Leitet die Versammlung: Synodenpräsident Dr. Peter Abramowski.

Überbrachte Grüße der VELKD: Dr. Horst Gorski, Leiter des Kirchenamtes. Fotos (3): Agentur Hübner

Goslar/Braunschweig. Die Qualifizierung von Ehrenamtlichen gehört nach Auffassung von Landesbischof Dr. Christoph Meyns zu den entscheidenden Zukunftsaufgaben der Landeskirche Braunschweig. Außerdem gehe es darum, Menschen den christlichen Glauben nahe zu bringen, die erst als Erwachsene damit in Berührung kommen, sagte er am 23. November vor der Landessynode in Goslar. Bei der Vorstellung des aktuellen Lage- und Tätigkeitsberichts beschrieb er die Kirche im Braunschweiger Land als „Kirche in Veränderung“. Die Lage sei „einigermaßen widersprüchlich, unklar und insgesamt komplex“.

Seit 1990 habe die Landeskirche fast ein Drittel ihrer Mitglieder verloren (1990: 502.000 Mitglieder; 2016: 342.000 Mitglieder). Auch das Kirchensteueraufkommen sei inflationsbereinigt um rund 30 Prozent gesunken. Deshalb sei der Umbau der kirchlichen Arbeit notwendig.

Der Landesbischof beklagte außerdem eine sinkende Verbreitung christlicher Glaubensüberzeugungen und Frömmigkeitspraktiken. So habe sich in der Landeskirche die Zahl der Gottesdienstbesucher an den Zählsonntagen von rund 22.000 im Jahr 1990 auf etwa 11.400 im Jahr 2016 reduziert. Die Zahl der Taufen sei um 47 Prozent zurückgegangen, Konfirmationen um 33, Trauungen um 64 und Beerdigungen um 23 Prozent.

Gleichzeitig würden 62 Prozent aller Deutschen nach eigenen Angaben immer noch an Gott glauben. Dem Absinken persönlicher Religiosität und Mitgliedschaft stehe paradoxerweise eine hohe Zuschreibung der Bedeutsamkeit von Glaube und Kirche auf gesamtgesellschaftlicher Ebene gegenüber.

„Die überwiegende Mehrheit der Menschen hält die Kirchen für eine Bereicherung der Gesellschaft und sieht im Christentum das Fundament unserer Kultur“, so Meyns. Das diakonische Engagement werde geschätzt und christliche Grundorientierungen wie Menschenwürde, Gleichberechtigung und soziale Fürsorge würden weithin für richtig gehalten.

Seit 2010, so Meyns, habe die Landeskirche begonnen, sich auf die Veränderungen einzustellen: mit Kürzungen im Stellenplan, dem Verkauf von Gebäuden, einer Neuordnung der Finanzverteilung, der Neuaufstellung der diakonischen Arbeit, einer gemeinsamen Ausbildung im Vikariat, der Gründung des Pastoralkollegs in Niedersachsen, einer neuen Struktur- und Stellenplanung sowie der Einführung der Erweiterten Kameralistik.

Trotzdem, so der Landesbischof, werde die Kirche mit organisatorischen Maßnahmen allein nicht weiterkommen: „Nur in dem Maße, in dem wir im Hören auf die biblische Tradition Halt finden und uns in Jesus Christus als dem Grund der Kirche verankern, werden wir die richtige Haltung gewinnen für den Umgang mit den Herausforderungen, vor denen wir stehen.“

Verfasser: Michael Strauss