Propstei Braunschweig
04.04.18

Schmerzhafte Diskriminierung

Landesbischof Meyns würdigt erste Pfarrerinnen in der Landeskirche

Pfarrerinnen der ersten Stunde: Mechthild Brauer, Gertrud Böttger-Bolte, Gudrun Hahn und Ingeborg-Charlotte Neubeck, zusammen mit Altbischof Prof. Dr. Gerhard Müller und Landesbischof Dr. Christoph Meyns.

Ehrung im Braunschweiger Dom durch Landesbischof Meyns.

Beim Festgottesdienst (v.l.): Landesbischof Meyns, Altbischof Müller, Regionalbischöfin Kühnbaum-Schmidt, Sozialministerin Reimann, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinschaft Wagner-Redding und Synodenpräsident Abramowski.

Gottesdienst zu Ehren der ersten Pfarrerinnen. Fotos (4): Agentur Hübner

Braunschweig. Landesbischof Dr. Christoph Meyns hat sich für mehr Frauen in kirchlichen Leitungsämtern ausgesprochen. Er sei dankbar dafür, dass Frauen im Pfarramt heute eine akzeptierte Selbstverständlichkeit seien, betonte er bei einem Festgottesdienst im Braunschweiger Dom am 4. April zum 50-jährigen Bestehen der Frauenordination in der Landeskirche Braunschweig. 1968 waren die ersten sechs Frauen nach schweren innerkirchlichen Auseinandersetzungen zu Pfarrerinnen ordiniert worden.

An die damals Ordinierten gewandt, sagte der Landesbischof, es schmerze ihn als Nachgeborenen, „wie viele Verletzungen Sie erfahren haben, wie viele frauenfeindliche und diskriminierende Äußerungen Sie erdulden mussten.“ Zu den theologischen Argumenten, die damals zur Sprache gebracht wurden, sagte er: „Sie ärgern mich in ihrer biblizistischen Enge und angstbesetzten Armseligkeit.“

Das Jubiläum, so der Landesbischof weiter, sei ein Anlass, kritisch danach zu fragen, wie es heute um die Gemeinschaft von Männern und Frauen in der Kirche bestellt sei. Gleichstellung, gegenseitiges Verständnis, gegenseitiger Respekt und ein gutes Miteinander zwischen den Geschlechtern müssten weiter gefördert werden.

Die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann (SPD) sagte bei einem anschließenden Empfang: "Heute gehören Pfarrerinnen und Pastorinnen zum Profil der evangelischen Kirche in Deutschland." Aus dem Gegenwind, der den ersten Pastorinnen vielerorts anfangs noch entgegenwehte, sei über die Jahrzehnte ein ermutigender Rückenwind geworden.

Reimann kritisierte, dass Frauen in Führungspositionen in der Kirche, ähnlich wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen noch immer unterrepräsentiert seien. Es sei zentral für die Gleichberechtigung, Frauen eine chancengleiche Teilhabe am Erwerbsleben entsprechend ihrer Wünsche und Qualifikationen zu ermöglichen. Vor allem Frauen mit Kindern müsse der Zugang zum Beruf und die Rückkehr nach familienbedingten Unterbrechungsphasen erleichtert werden, forderte die Ministerin. Anlässe wie der Festgottesdienst zeigten jedoch, welche Wertschätzung den Frauen in ihrer Kirche inzwischen entgegengebracht werde.

Regionalbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt (Meiningen-Suhl) erinnerte daran, dass der Weg zur Frauenordination in der Landeskirche Braunschweig besonders lang und steinig gewesen sei. Mit Verweis auf die so genannte Schöpfungsordnung hätten männliche Theologen lange den Frauen das Recht streitig gemacht, gleichberechtigt im ordinierten Amt zu wirken. Sowohl Widerstände wie widersprüchliche Entscheidungen im Landeskirchenamt und auch in den Propsteien hätten zur Diskriminierung von Theologinnen geführt.

Davon berichtete unter anderem Gertrud Böttger-Bolte, die 30 Jahre lang in der Kirchengemeinde St. Lorenz in Schöningen (Propstei Helmstedt) tätig war. Selbst nach ihrer Ordination 1968 habe es von Seiten des damaligen Helmstedter Propstes massiven Widerstand gegen ihre Übernahme der Pfarrstelle gegeben. Am Ende aber habe sie durch ihr Wirken unter Beweis stellen können, dass Frauen überzeugende Pfarrerinnen sein können.

Altbischof Gerhard Müller erinnerte an Auseinandersetzungen mit Pfarrern in den Achtzigerjahren, die unter Berufung auf ihr Gewissen die Frauenordination ablehnten. Ihnen war von seinem Amtsvorgänger Gerhard Heintze bei der Einführung der Frauenordination dieser Gewissensschutz als Kompromiss zugesichert worden. Seit 1992 müssten indessen alle Anwärter auf die Ordination und alle Bewerber um die Übernahme in die Landeskirche schriftlich die Frauenordination anerkennen. Ein Gewissensschutz in dieser Frage könne seitdem nicht mehr geltend gemacht werden.

Predigt im Wortlaut

Verfasser: Michael Strauss und epd