Propstei Braunschweig
16.08.18

Kunst trotzt Ausgrenzung

Ausstellung in Braunschweig wendet sich gegen Fremdenfeindlichkeit

Die Installation "Einwanderung" von Sybille Loew in der St. Andreas-Kirche. Foto: LKBS

Braunschweig (epd). Unter dem Titel "Kunst trotz(t) Ausgrenzung" wendet sich eine Ausstellung in Braunschweig mit Beiträgen namhafter Künstler gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus. Die Wanderausstellung der Diakonie, die erstmals in Niedersachsen gezeigt wird, richte sich gegen aktuelle Entwicklungen in Deutschland und Europa, sagte Kurator Andreas Pitz am 16. August. Er kritisierte, dass Parolen gegen Menschen am Rande der Gesellschaft heute wieder offen geäußert würden.

Die Schau zeigt Werke von mehr als 50 teils renommierten, teils weniger bekannten Künstlern. Zu sehen ist im Landesmuseum unter anderem das von dem Grafiker Klaus Staeck vor 24 Jahren aus Anlass der rechtsradikalen Brandanschläge in Hoyerswerda initiierte Projekt "Flagge zeigen". Dafür gestalteten 38 Künstler, darunter Christo, Günter Grass, Wolfgang Niedecken und Tomi Ungerer Druckgrafiken in Plakatgröße.

Der hessische Künstler Georg-Friedrich Wolf schuf gemeinsam mit Flüchtlingen eine aus Holz und Metall bestehende, neun Tonnen schwere Skulptur namens "Odyssee", die vor der Brüdernkirche aufgestellt ist. Die Flüchtlinge haben bei dem Projekt das Schmieden gelernt und 3.500 Nägel geschmiedet. Damit wird die mehrere Meter hohe Skulptur zusammengehalten, die ein gestrandetes Floß symbolisiert.

Die Münchener Künstlerin Sibylle Loew stickte unter dem Titel "Einwanderung" insgesamt 61 Porträts von Menschen, die zum Teil schon vor Jahrzehnten aus unterschiedlichen Regionen nach Deutschland kamen. Die Installation ist in der St.-Andreaskirche zu sehen.

Unter dem Titel "Auf Augenhöhe" fertigte der Berliner Bildhauer Harald Birck Tonbüsten von obdachlosen Menschen an. Sie zeigten, dass Menschen durch Kunst wieder wahr- und ernstgenommen würden, sagte Kurator Pitz. Außerdem werden in der St.-Andreaskirche Büsten gezeigt, die einst von schwerbehinderten Menschen in der DDR geschaffen wurden.

Der Direktor der Evangelischen Akademie Abt Jerusalem, Dieter Rammler, sagte als Mitveranstalter, die Schau sei ein Bekenntnis zu einer freiheitlichen Gesellschaft, die von Werten der Toleranz und Solidarität bestimmt werde. Zur Ausstellung ist ein Rahmenprogramm mit insgesamt mehr als 40 Veranstaltungen vorgesehen.

Die Wanderausstellung der Diakonie Deutschland wurde im Februar erstmals in Kassel bei der "documenta" eröffnet. In Braunschweig wird das Projekt unter anderem von der Landeskirche und der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz gefördert. Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober in der St.-Andreaskirche, der Brüdernkirche und dem Landesmuseum zu Gast.

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Verfasser: Evangelischer Pressedienst