Propstei Braunschweig
05.09.18

Kirche für alle sein

Kongress diskutierte in Wolfenbüttel über Impulse für Gemeindearbeit

In sieben Foren, wie hier in der Hauptkirche BMV in Wolfenbüttel, diskutierten die Teilnehmenden des Gemeindekongresses über Impulse für die Gemeindearbeit. Foto: Klaus G. Kohn

Wolfenbüttel. Für ein weites Bild von Gemeinde hat Dr. Christian Stäblein, evangelischer Propst aus Berlin, am Samstag, 8. September, beim Kongress „Gemeinde.Wir“ der Landeskirche Braunschweig in der Hauptkirche BMV in Wolfenbüttel geworben. Die christliche Gemeinde sei nicht identisch mit der klassischen Ortsgemeinde.
Sie entstehe vielmehr überall dort, wo sich Menschen in Gottes Namen versammeln und das Evangelium von Jesus Christus gepredigt werde. Deshalb sei die christliche Gemeinde auch nicht identisch mit den Kirchenmitgliedern, sondern umfasse alle Menschen, die an Gott glauben.

Gleichzeitig warnte Stäblein davor, die kirchliche Organisation und Ordnung gering zu achten. Sie sei als Rahmen nötig, damit geistliches Leben ermöglicht werde. Außerdem betonte der Propst die Bedeutung des Abendmahls. Alle Menschen seien eingeladen in die Tischgemeinschaft mit Gott. Diese sei eine „Vergebungsgemeinschaft“, denn niemand könne sich die Erlösung von Schuld selber zusprechen.

Als Besucher aus dem Himmel verkörperte Georg Renz (Braunschweig) den Reformator Johannes Bugenhagen, der mit einer Kirchenordnung 1528 die Reformation in Braunschweig ermöglicht hatte. Auch er sprach sich für neue Formen von Gemeinde aus, die den Veränderungen unserer Zeit gerecht werden. „Bugenhagen“ warnte die Kirche davor, eine „geschlossene Gesellschaft“ zu sein. Vielmehr müssten gute Predigten, Bildungsangebote und diakonisches Engagement in die Breite der Bevölkerung wirken.

Auch Landesbischof Dr. Christoph Meyns erinnerte bei dem Kongress an die geistlichen Grundlagen der Kirche: „Wir sollen als Kirche kein Spiegel sein, in dem der Mensch sich selbst betrachtet. Wir sollen ein Fenster sein, durch das Menschen hindurch Jesus Christus sehen“, betonte er.

Gleichzeitig zeigte sich der Landesbischof besorgt, dass kulturelle, moralische und politische Grund-orientierungen ihre Stärke verlieren. Dadurch würden öffentlich Positionen vertreten, „die sich dem völkischen, dem sozialdarwinistischen und dem nationalistischen Denken des 19. Jahrhunderts und dem Nationalsozialismus verdanken“. In der Folge würden wieder Minderheiten zu Sündenböcken gemacht: „Dem müssen wir uns als Christen mit ganzer Kraft entgegenstellen.“

In sieben Foren konnten sich 300 Teilnehmende darüber hinaus über zentrale Zukunftsfragen austauschen: über neue Kirchenmusik genauso wie über Fragen der Seelsorge und der Gemeindeentwicklung; über neue Medien in der Kirche genauso wie über die Bedeutung der Bibel und neue Veranstaltungsformate. Nicht zuletzt ging es um die Gemeinwesenarbeit der Kirche und ihre diakonische Ausstrahlung.

Bibelarbeit von Landesbischof Meyns im Wortlaut

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Verfasser: Michael Strauss