Propstei Braunschweig
08.02.20

Ofenheizung, wenig Spielzeug und viele Kinder

Ehemalige Kinderpflegerin aus St. Andreas erinnert sich an ihren Arbeitsalltag in den 1960-er Jahren

Erfahrungsaustausch in der Kita St. Andreas: Erzieherin Tanja Grzeskowiak-Kopka, Kirchenvogt Lothar Püster und die ehemalige Kinderpflegerin Marianne Mennenga.

Wenn die ehemalige Kinderpflegerin Marianne Mennenga an ihren alten Arbeitsplatz zurückdenkt, den Kindergarten von St. Andreas in der Maschstraße, dann fallen ihr als erstes die kalten Winter ein. „Der Kindergarten war in einer Baracke untergebracht, die mit einem Holzofen beheizt wurde“, erinnert sich die 79-Jährige. „Es war immer kalt.“ Im Winter glitzerte an den Wänden Rauhreif, an den Fenstern blühten Eisblumen. Eine Heizung im Waschraum? Fehlanzeige. Von 1959 bis 1971 hat sie in der kirchlichen Einrichtung Kinder betreut, 75 Mädchen und Jungen in drei Gruppen, gemeinsam mit zwei Kolleginnen. An diesem Wintertag trifft sie sich mit der Erzieherin Tanja Grzeskowiak-Kopka zum Erfahrungsaustausch in den liebevoll gestalteten Räumen der Kita St. Andreas und staunt: über die kleinen Garagen für die Kinderwagen vor dem Eingang, über die Rotunde im Zentrum der Kita, die lichtdurchfluteten Gruppenräume, das Spielzeug, die Waschräume, das großzügige Außengelände. Organisiert hat das Treffen Lothar Püster, Kirchenvogt an St. Andreas.
Für Marianne Mennenga begann der Arbeitstag in den 1960-er Jahren um 6.30 Uhr, manchmal brachte sie Brennholz mit, denn als erstes mussten die Öfen angeheizt werden. Wegen der Kälte ließen die Kinder in der ersten Stunde oft ihre Mäntel an. Das Spielzeug war knapp: Aus Streichholzschachteln bastelten die Kleinen Kasperletheater, es gab ein paar Legosteine, Holzklötzchen, eine Puppenstube. „Es waren ja noch die schlechten Zeiten“, sagt die Kinderpflegerin, „da waren wir dankbar, wenn die Eltern Papier zum Basteln oder Malen mitbrachten und die Eltern waren dankbar, dass ihre Kinder gut aufgehoben waren.“ Niemand habe Forderungen gestellt. Heute versuchen Tanja Grzeskowiak-Kopka und ihre Kolleginnen dagegen, das große Angebot an Spielzeug so zu sortieren, dass es attraktiv bleibt, Kreativität und Fantasie anregt.
Tanja Grzeskowiak-Kopkas Arbeitsumfeld unterscheidet sich grundlegend von dem von „Tante Marianne“, wie die Kinderpflegerin seinerzeit genannt wurde. In der Kita St. Andreas sind für 83 Kinder 17 Mitarbeiterinnen da, einige davon in Teilzeit, eine heilpädagogische Fachkraft kümmert sich um Mädchen und Jungen mit Förderbedarf. Es gibt viele Verbesserungen gegenüber den 1960-er Jahren, aber auch jede Menge Bürokratie, Anträge, Berichte, Nachweise, diverse Sonderprojekte und Programme. Doch trotz aller Unterschiede will Tanja Grzeskowiak-Kopka das Gleiche wie ihre Kollegin vor 50 Jahren: dass die Kinder gut aufgehoben sind, miteinander spielen und sich in der Gemeinschaft wohlfühlen. Und Marianne Mennenga würde in der Kita an der Hamburger Straße gern noch einmal anfangen zu arbeiten. „Schade, dass ich nicht mehr jung bin“, sagt sie zum Abschied.

 

 

Verfasser: Rosemarie Garbe