Propstei Braunschweig
25.04.20

Was ich am meisten vermisse

Meine Enkeltochter Ada ist vier Jahre alt. Sie weiß schon sehr genau Bescheid über „Abstandsregeln.“ Sie sagt: „Corona ist ein großer runder Ball.“ Diese Zeit geht auch an unseren Jüngsten nicht spurlos vorbei.
Was wird Ada in Erinnerung bleiben?
Dass alle Menschen mit Masken rumgelaufen sind, daran wird sie sich später sicher erinnern.
Was werde ich ihr später erzählen über diese Zeit? Wenn sie mich irgendwann fragt:
„Was hast du am meisten vermisst?“
Dann werde ich ihr sagen: „Die Menschen! Ich habe Dich und Deine Geschwister vermisst, meine Familie, meine Freundinnen und Freunde. Ohne Euch kann ich nicht sein!“
Sicher, wir schreiben Emails, wir telefonieren, skypen, schicken SMS und kleine Videos – das ist schön, aber das ersetzt niemals den persönlichen Kontakt!
Sie sagen Euch: „Die neue Welt ist digital.“ Lasst Euch das nicht einreden. Die neue Welt ist menschlich, oder sie ist nichts. Die Digitalisierung ist ein Werkzeug, nichts weiter.“
Wenn ich aus dieser Zeit etwas an die nächste Generation weitergeben möchte, dann dies:
Was ich am meisten brauche sind die Menschen.
Ich brauche den kurzen Schnack auf dem Markt, die Menschen in der Kneipe, die Stimmung im Stadion.
Im Moment bleibe ich übrigens öfters stehen, wenn ich unterwegs jemanden treffe. Wir nehmen uns Zeit für ein kurzes Schwätzchen. Wir sind alle ausgehungert nach persönlichen Gesprächen.
Ja, das wichtigste in meinem Leben sind die Menschen. Ich kann es kaum erwarten, sie alle wieder zu treffen.
In der Bibel heißt es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
Ich würde heute noch einen Schritt weitergehen, ich würde sagen:
„Du liebst deinen Nächsten wie dich selbst. Er ist ein Teil von dir.
Vergiss das nie wieder.“

 

 

Verfasser: Pfarrer Friedhelm Meiners