Propstei Braunschweig
16.05.20

Schöner als gedacht!

Wie könnte es aussehen, ein glückliches und erfülltes Leben? Diese Frage stellt sich der Filmemacher Erwin Wagenhofer in seinem Film „But Beautiful“. Er zeigt Menschen, die sich mit Mut und Pioniergeist auf Neuland wagen: ein Ehepaar, das alle beruflichen Sicherheiten hinter sich lässt und auf einer Kanareninsel öde Flächen in neues Grün verwandelt. Oder einen Förster, der auf die Idee kommt, gesunde Häuser aus Holz zu entwerfen und dann selbst zu bauen. Oder das junge Jazztrio, das seinen Zuhörern vermitteln will, wie Schönheit klingt.

Eines haben die Frauen und Männer, von denen Erwin Wagenhofer erzählt, gemeinsam: Sie gehen auf in dem, was sie tun. Und sie sind auf den neuen Wegen, die sie beschreiten, mit sich und der Welt in Einklang. Darum ist „But beautiful“ ein toller Film über das Innehalten und Nachdenken, das Umkehren und Aufbrechen in neue Zukunft. Seine Botschaft lautet: Nicht alles wird einfach gut, aber manches kann man ganz anders angehen als bisher!

Innehalten und Nachdenken. Umkehren und Aufbrechen: das sind auch Grundworte meines Glaubens. Und der braucht, will er nahe am Leben bleiben, nicht nur das Bewahren, sondern vor allem auch die Veränderung und das überraschend Neue. "Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum", weiß die Bibel. Und stellt uns damit in den Spielraum der ungeahnten Möglichkeiten mit uns selbst und auch in der Beziehung zu Gott.

Es tut gut, sich daran erinnern zu lassen in diesen Corona-Sorgen-Wochen. Gerade jetzt braucht es starke Signale: die ehrlichen Perspektiven ohne Angst und vor allem die guten Geschichten über Freundschaft und Gemeinschaft, von Zuversicht und Lebensfreude. Im Kleinen und Großen. Von Menschen mit unterschiedlichen Ideen, aber einem großen gemeinsamen Ziel: eine solidarische Gesellschaft und eine zukunftsfähige Welt. Und die wird anders sein, aber vielleicht auch schöner als gedacht. „But beautiful“ eben!

 

 

 

Verfasser: Henning Böger, Pfarrer an St. Magni