Propstei Braunschweig
23.05.20

Zuhören ist eine Kunst

Neulich fragt mich eine Konfirmandin: Hört Gott eigentlich zu, wenn wir beten? Na, das hoffe ich doch! Allerdings weiß ich ja, wie schwer Zuhören ist. Und die Sorge, nicht gehört zu werden, ist eine ziemlich alltägliche und bekannte Furcht: Liebling, hörst du mir überhaupt zu? Hört die Lehrerin zu, wenn der Schüler vielleicht nicht ganz die richtige Antwort trifft, aber dafür interessante Ideen entwickelt? Hört der Vater seiner kleinen Tochter zu, während er auf dem Handy die nächste SMS schreibt? Hören Sie noch zu, wenn in den Nachrichten die neuesten Berichte über die Folgen des Klimawandels kommen?
Zuhören ist eine Kunst! Zumal wenn ich glaube, schon zu wissen, was kommt oder wenn ich die Information lieber gar nicht hören möchte. Wenn die Freundin wichtigeres zu erzählen hat als der Lehrer oder wenn ich mit den Gedanken schon beim nächsten Termin bin, dann kann meine Aufmerksamkeit schon mal abschweifen. Ganz schwierig wird es, wenn ich versuche, in mich selber hineinzuhorchen. Wenn ich mir selber und meinen Gedanken, Ängsten und Hoffnungen nachlausche, wird es, wenn ich ehrlich bin, schon manchmal richtig unangenehm und ich schalte lieber ab.
Aber zurück zur Frage der Konfirmandin: Hört Gott mir eigentlich zu? Das hoffe ich doch sehr. Denn Zuhören ist eine Kunst, und leider beherrschen wir Menschen sie oft nur sehr mittelmäßig. Und die Erfahrung zeigt: Wenn ich mit Gott gemeinsam hinhöre, dann fällt es viel leichter, mir selber oder anderen wirklich zuzuhören. Hinhören und mich einlassen, auf das, was du sagst und dran bleiben, wenn es nötig ist, … Zuhören ist eine Kunst. Keine Unmöglichkeit. Bei Gott sowieso nicht: Bei Gott ist nichts unmöglich.

 

Verfasser: Pfarrerin Sabine Wittekopf