Propstei Braunschweig
27.06.20

Dort helfen, wo die Not am größten ist

Werner Seelemeyer organisiert seit fast 30 Jahren Hilfstransporte nach Rumänien

BU Gruppe

Werner Seelemeyer ist ein umtriebiger Mensch. „Ich muss immer was tun“, sagt der 74-jährige. Fast 25 Jahre war er Mitglied des Kirchenvorstandes der Gemeinde St. Jürgen in Ölper, er hat dort ein Männer-Frühstück ins Leben gerufen, engagiert sich in der Feuerwehr, im Turnerbund Ölper und früher auch in der Bürgergemeinschaft. Doch seine wahre Leidenschaft gilt der Rumänienhilfe. Seit 1992 organisiert und begleitet er gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen Hilfstransporte in den Kreis Suceava in der Bukowina, eine Gegend im Nordosten Rumäniens, die an Ungarn und die Ukraine grenzt. „Nur wer die unbeschreibliche Armut der Menschen mit eigenen Augen gesehen hat, kann sie sich vorstellen“, sagt Seelemeyer, der Anfang 90-er Jahre eher zufällig einen Hilfstransport aus Gommern in Sachsen-Anhalt nach Rumänien begleitet hatte.

Nach seiner Rückkehr wollte auch er helfen und gründete gemeinsam mit Joachim Viedt die Rumänienhilfe, unterstützt durch die Kirchengemeinden in Ölper und am Schwarzen Berg. Und den Initiatoren gelang es, mit einem jährlich stattfindenden Rumänientag mit Live-Musik, Flohmarkt, Aktionen für Kinder und dem Verkauf von typischen rumänischen Produkten wie Hackfleischröllchen, Waffeln, traditionellen Eiern, Weidenkörben und Honig auch die Ölperaner für die Idee zu begeistern.
Damit die gesammelten Hilfsgüter dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden, arbeiten die Initiatoren mit einer ortsansässigen Hilfsorganisation zusammen, der Fundatia Umanitara. Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe. Die Mitarbeiter der Fundatia verteilen nicht nur gespendete Lebensmittel, Kleidung, Fahrräder und Spielsachen, sie sollen den Menschen auch vermitteln, wie sie ihre Höfe auf Vordermann bringen und selbst etwas Geld verdienen können, wie wichtig Nachbarschaftshilfe, Hygiene oder der regelmäßige Schulbesuch der Kinder sind. Und noch etwas liegt Seelemeyer am Herzen: Die Unterstützung soll dazu beitragen, dass die Familien zusammenbleiben und niemand gezwungen ist, einen Job außerhalb Rumäniens zu suchen.
Mittlerweile gibt es in den regelmäßig versorgten Dörfern kleine Fortschritte. Doch Seelemeyer ist überzeugt: „Die Menschen hier werden noch viele Jahre auf gezielte Hilfe von außen angewiesen sein.“ Denn Arbeitsplätze gibt es kaum. Im Mai sollte der 29. Hilfstransport aus Ölper in die Bukowina fahren, Lebensmittel waren bestellt, Fahrzeuge geordert, Ehrenamtliche gefunden und die Sammlung der Hilfsgüter hätte pünktlich beginnen können. Dann stoppte das Corona-Virus das Engagement. Doch aus Telefonaten mit der Dolmetscherin Ingeborg Cojacariu weiß Seelemeyer, dass die Unterstützung der Menschen gerade in derzeitigen Krise dringend erforderlich wäre. „Wenn die Grenzen wieder geöffnet sind, wird es daher einen Hilfstransport geben“, versichert er. „Und wenn es in diesem Jahr nichts wird, dann im nächsten Jahr.“

Info
Für den 29. Hilfstransport sammelt die Rumänienhilfe außer Geld, Kleidung und Schuhen auch Babyausstattungen, Kinderwagen, Matratzen, Fahrräder, Rollstühle, Rollatoren und kleine elektrische Haushaltsgeräte. Für Gottesdienste und Schule werden Musikinstrumente benötigt. Werner Seelemeyer ist unter Telefon 0531-503200 erreichbar. Bei der Kirchengemeinde St.-Jürgen gibt es ein Spendenkonto für die Rumänienhilfe IBAN DE18 2505 0000 0001 6406 22.
 

 

 

Verfasser: Rosemarie Garbe