Propstei Braunschweig
21.07.20

Ein Gedenk-Ort, der zu lange vergessen wurde

Volksbund, Neue Oberschule, Propstei Braunschweig und Friedhofsverwaltung erinnern an ein Massengrab für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene

Holzkreuz der Grab- undGedenkstätte

Gräberfeld 69b

Geschichts und Erinnerungstafel

Der Himmel muss nicht düster und grau sein wie an diesem Tag, es muss nicht kühl und regnerisch sein, um an diesem Ort bedrückt zu sein.
Schon die äußere Anmutung von Gräberfeld 69 b im evangelischen Teil des Hauptfriedhofs ist eine Distanzierung, eine, die in der NS-Zeit gewollt war, eine, die auch danach noch sehr lange andauerte – und eine, der jetzt mit einem bemerkenswerten Geschichts- und Erinnerungsprojekt des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit dem Gymnasium Neue Oberschule (NO) in Braunschweig begegnet wird.
Es geht um das Massengrab für mindestens 200 Menschen, vermutlich mehr – hier liegen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, ausländische Zivil- und Zwangsarbeiter, sowjetische Kriegsgefangene, verscharrte Opfer von Luftangriffen, denen ein ehrenvolles Begräbnis versagt blieb.
Noch bis 2011 trug dieses Gräberfeld die offizielle Bezeichnung „Gemeinschaftsanlage ausländischer Arbeiter“, die ihm die Nationalsozialisten gegeben hatten. Ein nach dem Zweiten Weltkrieg errichtetes schlichtes Holzkreuz vermoderte, schließlich blieb nur noch das Fundament übrig.
Jetzt, 2020, ließen Kirche und Friedhofsverwaltung ein neues Holzkreuz errichten. Wegen Corona konnte man es noch nicht einweihen. Am letzten Schultag vor den Sommerferien gab es nun – abseits der Öffentlichkeit – im kleinen Kreis die Übergabe einer Geschichts- und Erinnerungstafel, die über diesen Gedenkort informiert.
Das Gräberfeld 69 b ist wohl die letzte Ruhestätte von 80 sowjetischen Kriegsgefangenen, die nach einem Aktenvermerk gegen Kriegsende 1945 hier begraben wurden. Auf der Geschichts- und Erinnerungstafel heißt es: „Ihre Beisetzung wurde vermutlich absichtlich verschleiert, da die Erkennungsmarken der toten Soldaten fehlen.“
Zudem wurden laut Tafel hier vermutlich 47 mit Namen bekannte Zivil- oder Zwangsarbeiter, Männer und Frauen, beigesetzt, die zwischen 1940 und 1943 im Landeskrankenhaus Celler Straße starben. Zwar werde in den Akten keine Grabstelle genannt (Vermerk: „Erdbestattung ohne Sarg“), aber dafür sei eigentlich kein anderes Gräberfeld in Frage gekommen.
Und eine weitere Opfergruppe könnte aus 71 Frauen und Männern aus der Sowjetunion bestehen, die nach dem Luftangriff am 20. Februar 1944 erdbestattet wurden, da das Krematorium ausgefallen und der Ausländerfriedhof noch nicht eingerichtet worden war, so der Text.

 

Verfasser: Henning Noske, Braunschweiger Zeitung