Propstei Braunschweig
22.08.20

Körbeweise Leben

Das Nachsammeln auf dem Kartoffelacker war mühsam, und der Korb füllte sich nur langsam. Manche aus meiner Elterngeneration werden sich noch genau ans Stoppeln auf den Feldern in den Nachkriegsjahren erinnern. Schleppend ging es voran. Heute scheint alles einfacher. Beim Discounter oder Supermarkt des Vertrauens füllen sich die Körbe schnell. Ein einfacher Einkaufskorb reicht oft nicht, der Einkaufswagen hat ihn abgelöst – und nicht nur, weil er in diesen Zeiten als Abstandhalter fungiert, sondern weil mehr reinpasst. Und gleich am Eingang beim Bäcker warten die Brötchen und anderen Backwaren in wunderschön geflochtenen Körben auf die Kundschaft. Dann die wohl arrangierten Körbe voller Obst und Gemüse. Körbe gefüllt mit Leben! Mit Mitteln zum Leben. Und zu oft vergessen wir dann, dass volle Körbe keineswegs selbstverständlich sind für so viele…
In der Bibel ist der Korb häufig Sinnbild für die Fülle des Lebens, das Gott schenkt: Zwölf Körbe füllen sich mit den Überresten des Mahls, das Jesus mit 5.000 Menschen feierte – fünf Brote und zwei Fische sättigten damals den Hunger nach Leben.
Und wenn Menschen dieses Brot zum Leben teilen, kann es auch schon mal als Rose blühen. So wird es von der heiligen Elisabeth von Thüringen erzählt.
Manchmal birgt so ein Korb sogar das Leben selbst: Menschen im Rettungskorb der Feuerwehr. Und schon für Mose wird ein Körbchen zum Lebensretter, in dem er dem Nil übergeben wird. So rettet Gott sein Leben und lenkt mit ihm die Geschichte seines Volkes in gute Bahnen.
Ich gehe gerne mit dem Korb zum Einkaufen auf den Markt und zuhause lege ich die frischen Brötchen in den Brotkorb. Auf dessen Boden findet sich ein Kreuz. Mit einem Kreuz beginnt das Korbflechten – und mit dem Kreuz in der Kirche jeden Sonntag wieder neu die Erinnerung, das mit dem Kreuz Jesu der Weg in die Fülle des Lebens bei Gott beginnt. 

 

Verfasser: Pfarrer Jens Paret