Propstei Braunschweig
24.10.20

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen

Was ist gerecht? Wann handelt ein Mensch gerecht? Die Lehrerin, die alle Schülerinnen und Schüler gleich behandelt, der Chorleiter, der von jeder Sängerin oder jedem Bläser das Gleiche verlangt, die Chefin, die von allen Mitarbeitenden den gleichen Einsatz fordert. Sie alle gelten als gerecht. Dahinter steht wohl das Idealbild der Justitia. Gerecht ist, wenn alle gleich behandelt werden. Das ist grundsätzlich richtig.

Doch Achtung: Auch der Maßstab, alle gleich zu behandeln, kann zu Ungerechtigkeit führen. Das ist uns doch ebenfalls klar und in den immer wieder aufflammenden Debatten um die geeigneten Maßnahmen gegen Corona allgegenwärtig. Einerseits der laute Ruf nach Einheitlichkeit bei den Regeln, andererseits und gleichzeitig, das Beschwören von Einzelfallmaßnahmen, da man nicht alles über einen Kamm scheren könne. Und je nach persönlicher Situation, springen wir innerlich zwischen dem einen und dem anderen hin und her.

Doch auch in vielen anderen Situationen gilt: Wer alle gleich behandelt, kann damit den Schwächeren Unrecht zufügen. Darauf verweist auch die Bibel an vielen Stellen. Sie versteht unter Gerechtigkeit nicht nur die unparteiische gleiche Behandlung aller, sondern das Eintreten für Benachteiligte. Gottes Gerechtigkeit äußert sich in der Parteinahme für Schwache und Hilflose. In der Parteinahme für Witwen und Waisen, für Fremde und Unterdrückte geschieht Gerechtigkeit. Für diese Gerechtigkeit sollen wir uns einsetzen. Dazu fordert uns auch das Lied „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen“ auf. Wir Christenmenschen, und möglichst viele andere auch, sollen alles dafür tun, dass Leid in dieser Welt gelindert, vermieden oder am besten abgeschafft wird. Das ist ein großer Auftrag, bei dem jede und jeder gebraucht wird.

Doch auf diesem Auftrag liegt eine große Verheißung: Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben - Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch und untereinander. Lasst uns nicht aufhören, den Weg der Gerechtigkeit zu gehen.

Verfasser: Jens Paret, Pfarrer