Propstei Braunschweig
05.12.20

Jeder darf so sein wie er ist

Mareike Mehlau und Heidrun Schrader engagieren sich in der „mit Uns Gemeinde“ für Menschen mit Handicap

Eine Herzensangelegenheit: Heidrun Schrader (links) und Mareike Mehlau vor der „mit Uns Gemeinde“.

Für Menschen mit Handicap ist es oft nicht einfach, einen Ort zu finden, an dem sie einfach so sein können, wie sie sind. Ohne Stress, ohne Fragen, ohne irritierte Blicke. Mareike Mehlau und Heidrun Schrader haben für ihre behinderten Söhne einen derartigen Ort gefunden: die evangelische „mit Uns Gemeinde“ in der Weststadt. Hier haben die beiden als Kinder und Jugendliche Gruppen, Freizeiten und Gottesdienste besucht, und hier wurden sie konfirmiert. Obwohl die Söhne längst erwachsen sind, engagieren sich die Mütter noch immer im Beirat der Pfarrstelle. „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, dass ich mich für diese Gemeinde einsetze“, sagt Mareike Mehlau, „Es ist eine richtig gute Sache, von deren Sinnhaftigkeit ich absolut überzeugt bin.“ Und Heidrun Schrader würdigt die Wärme und Zugewandtheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Davon profitieren unsere Kinder.“ Im Beirat beraten die beiden gemeinsam mit anderen Mitgliedern, welche Angebote den Bedürfnissen und Wünschen der Besucher entsprechen und welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen.
Heidrun Schrader ist nicht nur im Beirat aktiv, sie engagiert sich darüber hinaus im Bundesverband der evangelischen Behindertenhilfe und hat dort etwa das Bundesteilhabegesetz mit beraten. Sie kennt die Nöte behinderter Menschen und weiß, wie wichtig die Angebote der Pfarrstelle sind. Denn die meisten Familien sind durch das Handicap ihres Kindes extrem belastet. „Das Leben ist für uns ohnehin sehr herausfordernd. Da freut man sich über vertraute Orte, an denen ein behinderter Mensch einfach so sein darf, wie er ist“, sagt Mareike Mehlau. Kritikern, die die Existenz der Pfarrstelle wegen der Inklusion in Frage stellen, erteilt sie eine klare Absage.
Die „mit Uns Gemeinde“ öffnet sich ohnehin nach außen. Kinder aus der Weststadt besuchen dort Gruppen und Freizeiten, die Familien-Gottesdienste werden in verschiedenen Kirchen der Stadt gefeiert und  unterscheiden sich stets von herkömmlichen. „Hier ist immer Bewegung im Gottesdienst“, sagt Heidrun Schrader. Auch der Konfirmandenunterricht wird auf die Fähigkeiten der einzelnen Teilnehmer abgestimmt, deren Entwicklung oft verzögert ist. Für Anton, den Sohn von Mareike Mehlau, war das „ein Geschenk“. Und auch die Angehörigen hätten profitiert, vom Austausch mit Betroffenen, vom Verständnis für die Behinderungen, den Gesprächen zwischen Tür und Angel, von der Seelsorge. „So stelle ich mir Kirche vor“, sagt Mareike Mehlau, „jeder ist willkommen.“

Info:
Ein inklusiver Familiengottesdienst findet am Sonntag, 13. Dezember, um 11 Uhr in der St. Jakobi Kirche statt, die Predigt hält Pfarrer Christian Hellmers.

Im Garten der „Mit Uns-Gemeinde“, Recknitzstraße 13, feiert Pfarrer Johannes Engelmann am Heiligabend, 24. Dezember, um 16.30 Uhr einen Gottesdienst mit Texten und Musik. Um Anmeldungen unter 0531-842469 wird gebeten.

Verfasser: Rosemarie Garbe