Propstei Braunschweig
12.12.20

Songs of Comfort and Hope

„Die Aufgabe eines Musikers besteht darin, auf Nöte zu reagieren!“ Diesen Satz sagt Yo-Yo Ma, einer der berühmtesten Cellisten der Welt.

Als im März der erste Corona-Lockdown kam, saß er zuhause in Cambridge, Massachusetts, und wollte seiner Aufgabe als Musiker nachkommen und auf die Not reagieren. Nur wie?

Schließlich nahm er sein Cello, setzte sich vors Smartphone und spielte. Das Video lud er im Internet hoch. Es wurde in kurzer Zeit vielfach geteilt. Und weil Yo-Yo Ma danach immer weiterspielte, entstand über Wochen und Monate hinweg das Projekt „Songs of Comfort and Hope“. Es erreichte weltweit mehr als 18 Millionen Menschen.

Über seine „Lieder von Trost und Hoffnung“ sagt Yo-Yo Ma: „Sie sind oft wie kleine Kapseln voller Emotionen: sie können lange verlorene Träume und Wünsche enthalten, aber auch starke Empfindungen von großer Kraft, Optimismus und Gemeinschaftsgefühl.“

Man darf diesen Satz gerne adventlich hören! Wer in diesen strengen Tagen, in denen viele sich müde und wie gelähmt fühlen, in die Kirchen unserer Stadt (oder ihre digitalen Räume*) einkehrt, der kann dort etwas von der großen Trost- und Hoffnungskraft erfahren, die in unseren Adventsliedern steckt: Da öffnen Schlüssel verriegelte Türen. Mächtige Tore schwingen auf. Verschüttete Pfade werden wieder begehbar. Besungen wird die überreiche Freude, aber auch das, was vermisst oder sehnsüchtig erwartet wird: „Wo bleibst du Trost, der ganzen Welt?“

Ich finde mich wieder in diesen ungeduldigen Worten: Ja, mein Gott, wo bleibst du denn? Nun reiß doch endlich den Himmel auf! Komm, tröste uns und lass uns empfindsam sein für Nöte und Sorgen der anderen.

Auch davon singt der Advent: Hoffnung heißt, sich zu kümmern und zu sorgen. Und miteinander darauf zu vertrauen, dass Gott das Leben nicht aus seiner Hand fallen lässt.

Verfasser: Pfarrer Henning Böger