Propstei Braunschweig
24.12.20

Stille Nacht! Heilige Nacht!

Als Franz Xaver Gruber am 24.12.1818 das Gedicht „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ des Oberndorfer Hilfspriesters vertonte, konnte er nicht ahnen, wie sehr dieses Lied die Realität unseres diesjährigen Weihnachtsfestes trifft.
Still, weil die Geschäfte zu sind. Still, weil so richtige Weihnachtsfreude angesichts der pandemischen Lage nicht aufkommen mag. Still, so ganz ohne Weihnachtsmarkt. Still, weil Schulen schon längst geschlossen sind. Still, denn sogar viele Kirchen haben ihre Weihnachtsgottesdienste für heute abgesagt.
Also: „Stille Nacht!“; so sieht es aus Weihnachten 2020 in Braunschweig. - Und „Heilige Nacht“? Was bleibt uns vom Heiligabend? Was bleibt, wenn ich nicht in die Kirche zum Gottesdienst gehen kann? Wie kann Weihnachten werden, wenn wir als Familien nur sehr begrenzt zusammenkommen können, wenn ich überlegen muss, welches Großelternpaar dabei sein darf und welches nicht? Was bleibt uns in diesem Jahr von der „Heiligen Nacht“?
Es bleibt der eigentliche Anlass des Weihnachtsfestes: die Geburt Jesu!
Es bleibt dieses eine Geschenk, das nicht weniger wird, sondern größer, je mehr wir es miteinander teilen: die Liebe Gottes!
Es bleibt die Zuversicht, dass die Zusagen der Weihnachtsgeschichte auch uns hier in Braunschweig und überall auf der Welt gelten: „Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn Euch ist heute der Heiland geboren!“ (Lk 2, 10f)
Es braucht gerade zu dieser Weihnacht den Heiland! - Den, „der Heil und Segen mit sich bringt“. Nicht romantisch verklärt, nicht theologisch abstrakt, sondern ganz konkret durch das Anwenden der Ergebnisse der virologischen und medizinischen Forschung, durch schnelle Testmöglichkeiten, durch die Perspektive auf Impfstoffe und durch das richtige eigene Verhalten einer und eines jeden von uns.
Manchmal begegnet uns Gott in anderen Menschen. In ihren Begabungen, ihrem Wissen, ihrer Zuwendung kann Gott erfahrbar werden. Das gilt vor allem in diesem Jahr, denn immer wieder brauchte es besondere Menschen mit besonderen Fähigkeiten und Kenntnissen, die uns weitergeholfen haben. Und so wird es vielleicht diese Erkenntnis sein, die der Mystiker, Arzt, Priester und Dichter Johannes Scheffler unter dem Pseudonym Angelus Silesius bereits im 17. Jahrhundert zum Ausdruck gebracht hat: „Halt an, wo läufst du hin? – Der Himmel ist in dir! Suchst du Gott anderswo, Du fehlst ihn für und für. Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst doch ewiglich verloren.“
Weihnachten macht sich nicht an Äußerlichkeiten fest. Es ist in dir, wo sich Himmel und Erde begegnen. In dir wird Christus geboren und durch dich kann sich schon in dieser Welt und unserer Zeit etwas von dem manifestieren, was uns an himmlischer Freude und Frieden verheißen ist. Möge es also Weihnachten werden gerade auch in diesem Jahr!

Lars Dedekind, Ev.-luth. Propst            Reinhard Heine, Röm.-kath. Propst

 

Verfasser: Propst Lars Dedekind