Propstei Braunschweig
13.01.21

Monatsspruch Januar 2021 – Ps 4,7

Gedanken zum Monatsspruch Januar 2021 von Propst Lars Dedekind

Pixabay/ Gerd Altmann

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes! (Ps 4,7)

Eine kleine Seh-Schule zu Beginn des neuen Jahres inmitten der Corona-Pandemie, inmitten verstörender Bilder aus den USA, inmitten manch eigener Unsicherheiten und Ängste.
All diese Bedrohungen, alles, was außer Kontrolle, außer Rand und Band zu geraten droht, alles, was verstört, verängstigt, all dieses wird mir täglich vor die Augen geführt. Es ist sehr sichtbar und es ist (leider) auch sehr real. Die Augen davor zu verschließen, kann nicht die Lösung sein. Und doch ist das Verworrene, das Bedrohliche, das Böse nicht die einzige Realität. Gott sei Dank, es gibt auch andere Bilder, es gibt auch das Gute!


Deshalb mag uns der Monatsspruch für diesen ersten Monat des neuen Jahres dazu einladen, sehr bewusst unseren Blick auf Gutes zu lenken. – Vielleicht gelingt es uns dann wahrzunehmen, was es eben auch an Positivem, Hoffnungsvollem, Bestärkendem gibt. Vielleicht erkennen wir sogar, wie reich gesegnet wir sind, wie unendlich wertvoll der Schatz unseres Lebens ist! Aber dieses Erkennen lässt sich leider nicht so einfach wie durch das Umlegen eines Schalters herstellen. Ich kann ein festes Dach über dem Kopf und ein regelmäßiges Einkommen haben und mich trotzdem als zu-kurz-gekommen fühlen. Ich kann gesund und talentiert sein und mich trotzdem unsicher fühlen. Ich kann von Menschen umgeben sein, die mich mögen und mich trotzdem einsam fühlen. Ich kann in einer freien Demokratie leben und mich unfrei fühlen. Es kann Frieden sein in meinem Land und doch tobt in mir ein Krieg.


Eine Seh-Schule für das Gute kann mir Impulse geben, nicht nur das Negative wahrzunehmen, kann meinen Blick heben und mir helfen auch die Schönheit des Lebens in den Blick zu bekommen. Hierfür gibt es eine Fülle an Literatur und praktischen Angeboten von der Selbstwahrnehmung bis hin zur Selbstoptimierung. Doch bleiben diese Bemühungen oft an der Oberfläche. Dass das Gute nicht nur kurz erblickt, sondern tatsächlich wahrgenommen wird, dass es Wirkmacht entfaltet, sich in mir ausbreitet und mich zum Guten hin verändert, mir die Angst nimmt und Vertrauen schenkt, das geschieht nicht durch eine raffinierte Methode, es geschieht nicht aus eigener Kraftanstrengung. Es lässt sich nicht zwingen!
Aber wie kann ich dann das Gute sehen? Die Antwort des Psalmisten ist ein Gebet:


„Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!


Zwei Beobachtungen zu diesem Psalmwort:


1.)    Gott ist der Adressat. Ihn bittet der Psalmist: lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!

2.)    In diesem Psalmwort bleibt das Licht Gottes uns ein Gegenüber. – Nicht in uns, sondern über uns soll das Licht des Antlitzes Gottes leuchten. Wir werden von dem Licht des göttlichen Antlitzes nicht vereinnahmt, nicht durchströmt, erleuchtet oder gar in Brand gesteckt, sondern es leuchtet über uns.
Wir sind also nicht gezwungen, dieses Licht seines Antlitzes wahrzunehmen, den Blick zu heben, Gott im Gebet anzureden, ihm uns anzuvertrauen. All dieses bleibt ein Angebot. – Ein Angebot allerdings, das voraussetzt, dass das Antlitz Gottes auch tatsächlich über uns leuchtet. Deshalb schließe ich mich für das neue Jahr diesem Gebet des Psalmisten an: HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!
Und ich hoffe und wünsche für uns und alle Welt, dass wir Gutes sehen werden!


Ein gesegnetes 2021!

 

 

Verfasser: Propst Lars Dedekind