Propstei Braunschweig
30.01.21

Auf den Hund gekommen

Ich bin auf den Hund gekommen. Im wortwörtlichen Sinn. Seit drei Monaten wohnt ein Rauhaardackel bei mir. Seitdem stellt er mein Leben auf den Kopf.
Er weckt mich morgens, bevor die Sonne aufgeht. Er fordert regelmäßige Spaziergänge ein. Selbst die Essenszeiten sind fest verankert. Eine Zeitlang stand er, sobald die Kirchenglocken abends läuteten, vor seinem Futternapf.


Gerade in diesen Zeiten, in denen ich die Tage im HomeOffice sitze und auf die Kacheln in der Videokonferenzen schaue, ist das sehr viel Wert. Ein Kollege von mir meinte: „Wenigstens bleiben mir jetzt noch die Hunderunden.“
Und tatsächlich gehe auch ich jeden Tag mit dem Hund bei Wind und Wetter raus. Wurde ich früher als Gemeindepfarrerin oft im Viertel wiedererkannt und von Menschen in ein Gespräch verwickelt, ist es nun der Hund, der freudestrahlend mit Namen begrüßt wird.


Für den Mönch Franziskus von Assisi sind die Tiere Geschöpfe Gottes. Sie sind Teil der göttlichen Familie, unsere Geschwister. Jedes Geschöpf erzählt auf die eigene Weise von Gott. Aus diesem Grund gilt Franziskus von Assisi in der katholischen Kirche als Schutzpatron der Tiere.


Wenn ich mit dem Hund unterwegs bin, macht er mich auf seine Weise auf Gott aufmerksam. Er zeigt mir Gänse und Rehe, Maulwurfshügel und Kaninchenhöhlen. Er geht auf jeden Menschen unvoreingenommen zu, voller Vorfreude, ohne Vorurteile.

Er macht mich achtsamer für Gottes wundervolle Welt.

 

Verfasser: Pfarrerin Johanna Klee