Propstei Braunschweig
05.02.21

Gottesdienst als Video-Konferenz

Immer mehr Kirchengemeinden erschließen sich digitale Formate

Immer mehr Kirchengemeinden entdecken für ihre Aktivitäten Plattformen im Internet.

Braunschweig. Die Kirchengemeinden in der Landeskirche Braunschweig erschließen sich zunehmend digitale Formate, um in der Corona-Pandemie ihr Gemeindeleben aufrecht zu erhalten. Zwar sind Präsenzgottesdienste nach wie vor möglich, allerdings unter starken Einschränkungen, zum Beispiel was die Zahl der Personen in Kirchengebäuden angeht. Das trifft vor allem die Gemeinden, die über vergleichsweise kleine Kirchengebäude verfügen. Sie kommen mit zehn bis zwanzig Personen schnell an die Grenzen ihrer räumlichen Kapazitäten.

Da bieten sich Gottesdienste im Internet an, wie Pfarrer Dennis Sindermann vom Kirchengemeindeverband Nordwest in Braunschweig berichtet. Er lädt seit Weihnachten regelmäßige zu Gottesdiensten auf einer Videokonferenz-Plattform ein. Anders als bei einem vorgefertigten Video oder auch einem Livestream auf YouTube sei so mehr Beteiligung durch die Gottesdienstteilnehmer möglich, erklärt er. Etwa indem die Besucher Gebete sprechen oder Lesungen vornehmen.

Außerdem könne gesungen werden. Aus technischen Gründen allerdings nur zu Playbacks, die der Pfarrer einspielt, und mit abgeschaltetem Mikrofon, so dass lediglich die eigene Stimme zu hören sei. Sindermann schätzt an dem Format, dass auch Powerpoint-Präsentationen oder Texte während der Gottesdienste eingeblendet werden können. Das ermögliche eine gute Mitwirkung der Teilnehmenden.

Die sitzen in der Regel zu Hause vor ihren Computerbildschirmen, häufig im Wohnzimmer oder am Küchentisch. Und auch der Pfarrer steht nicht im Kirchenraum, sondern hostet die Gottesdienste aus seinem Amtszimmer. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Übertragung aus einer Kirche technisch und atmosphärisch weniger günstig sei. So handele es sich faktisch um Hausgottesdienste. Oft mit bis zu 50 Teilnehmenden, die in der Regel der klassischen Agende folgen.

Sindermann achtet darauf, dass sie nicht länger als 45 Minuten dauern. Das sei erfahrungsgemäß eine gute Länge für das gewählte Format. Ein digitales Abendmahl habe er allerdings noch nicht angeboten. Oft ergebe sich vor und nach den Gottesdiensten, die vor allem von jüngeren und mittleren Generationen gut angenommen würden, ein informeller Austausch zwischen den Beteiligten.

Ein eigenes Software-Programm brauchen diese nicht, um an den Gottesdiensten im Internet teilzunehmen. Notwendig sind lediglich Computer oder Notebooks mit Kamera und Mikrofon. Über einen Link, der per E-Mail oder auf der Internetpräsenz der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird, gelangen die Besucher auf die digitale Plattform, auf der der Gottesdienst stattfindet. Anders als auf der Video-Plattform YouTube findet er ausschließlich live statt und wird anschließend nicht als Film dokumentiert.

Eine besondere Nähe zur Digital- und Informationstechnik hatte Sindermann vorher übrigens nicht. In der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 habe er angefangen, sich mit den Perspektiven der Digitalisierung für Kirchengemeinden stärker zu beschäftigen, sagt er. Nach dem Motto: Einfach ausprobieren.

Kreuzgemeinde Alt-Lehndorf

Kirchengemeinde St. Jürgen Ölper

Verfasser: Michael Strauß