Propstei Braunschweig
11.03.21

Fachhochschule muss schließen

Missionswerk stellt Studiengang zur Interkulturellen Theologie ein

Bild aus besseren Zeiten: Internationale Studierende an der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie in Hermannsburg. Foto: epd-bild/Karen Miether

Hermannsburg/Braunschweig (epd). Die Fachhochschule für Interkulturelle Theologie in Hermannsburg wird voraussichtlich zum Ende des Sommersemester 2025 geschlossen. Das hat das Evangelisch-lutherische Missionswerk in Niedersachsen (ELM) am 10. März mitgeteilt. Demnach wird die seit 2012 bestehende akademische Ausbildungsstätte in Trägerschaft des Missionswerks noch mit einer Übergangsfrist von vier Jahren weitergeführt, damit alle derzeit Studierenden ihre Abschlüsse machen können. Die Landeskirche Braunschweig gehört zu den Trägerkirchen des ELM.

Ziel der Hochschule ist es, partnerschaftliches interkulturelles Lernen in Theologie und Sozialwissenschaften zu ermöglichen. Sie bietet zwei Bachelor-Studiengänge für Studierende aus Deutschland und aller Welt mit verschiedenen kulturellen und religiösen Prägungen. Beim Master-Studiengang "Intercultural Theology" kooperiert sie mit der Universität Göttingen. Die Hochschule war erst vor neun Jahren als Nachfolgerin des traditionsreichen Hermannsburger Missionsseminars gegründet worden, das zuvor mehr als 150 Jahr bestanden hatte.

Für die Schließung seien finanzielle Notwendigkeiten entscheidend gewesen, sagte Missionsdirektor Michael Thiel: "Die Akkreditierung als Fachhochschule, die aus akademischer Sicht sinnvoll ist, ist mit hohen Anforderungen verbunden, die erhebliche finanzielle Auswirkungen haben."

Angesichts sinkender Kirchensteuer-Einnahmen und der Kürzung kirchlicher Zuweisungen sei der Vorstand des Missionswerks dazu aufgefordert worden, Szenarien zu entwickeln, die mit 20 Prozent weniger Geld auskommen. Der Missionsausschuss habe rund anderthalb Jahre an Lösungen gearbeitet, sich dann angesichts schwieriger Perspektiven aber doch für eine Schließung entschieden, erläuterte Thiel. Für die Mitarbeitenden der Hochschule würden mögliche Anschlussbeschäftigungen geprüft.

Hochschul-Rektor Wilhelm Richebächer kritisierte den Beschluss: "Ich halte diese Entscheidung angesichts der missionarischen und interreligiös-dialogischen Verantwortung der Kirchen in einer immer multikulturelleren deutschen Gesellschaft für einen großen Fehler." Leider fehle nicht nur bei den Kirchen das Geld, diesen Beitrag zu einer sich veränderten Gesellschaft zu finanzieren.

Das Missionswerk ist Teil eines Netzwerkes, das im Verbund mit 22 Kirchen in 17 Ländern in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika arbeitet. Es engagiert sich beim personellen Austausch von Theologen, Entwicklungsfachkräften und jungen Erwachsenen im Freiwilligendienst.

Verfasser: Michael Strauss