Propstei Braunschweig
03.04.21

Das Osterlachen

Ich lache gerne. Am liebsten so ganz tief aus dem Herzen heraus. Aber im Moment fällt es mir schwer. Das Lachen bleibt mir im Halse stecken. Zu groß ist der Frust, zu groß die Angst, zu groß das Leid. Lachen im Angesicht der Pandemie, geht das? „Das Leben ist kurz“, heißt es in einer Liedzeile des in Braunschweig geborenen Sängers Axel Bosse, die dann aber eine Wendung beschreibt: „Zu kurz für ein langes Gesicht. Und Stück für Stück kommt das Lachen zurück.“ Was bringt uns eigentlich zum Lachen? Gelotologen, also Lachforscher, sagen, dass eine nicht erfüllte Erwartungshaltung, etwas Bizarres, Überraschendes Menschen zum Lachen bringt. Und sie ergänzen gerne, dass Lachen gesund sei, weil es Endorphine freisetzt und die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin unterdrückt. Also sollte ein herzhaftes Lachen gerade bei Corona-Stress helfen.


Übrigens gehört das Lachen auch zu Ostern dazu: Eine heute oft in Vergessenheit geratene Tradition ist das Osterlachen. Eine nicht erfüllte Erwartungshaltung ist im Grunde der Kern der Osterbotschaft. Es sind die drei Frauen, die am frühen Morgen zu Jesu Grab gehen, um dann dieses leer vorzufinden. Zunächst ein Erschrecken! Furcht! Dann ein langsames Erkennen: Der, den sie suchen, ist auferstanden!
Was für eine Botschaft?! In der Bibel selbst wird berichtet, wie einige diese Botschaft als Torheit abtun, andere sie mit großer Glaubenshoffnung als wahr erleben. In jedem Fall war diese Botschaft nicht unterdrückbar. Wie ein Lachen, das sich voll Freude in einem aufbaut, das Zwergfell reizt, bis es kein Halten mehr gibt, so hat sich die Osterbotschaft ihren Weg gebahnt. Hoffnung angesichts von Leid? Leben angesichts des Todes? Das ist paradox. Das ist nicht zu begreifen. Aber es ist die wahre Osterfreude – und allemal Grund aus tiefstem Herzen zu lachen!

Frohe Ostern!
 

 

Verfasser: Propst Lars Dedekind