Propstei Braunschweig
03.04.21

An Feiertagen suchen viele Rat per Telefon

Jüngere im Fokus: Bei der Telefonseelsorge soll es künftig mehr Online-Chats geben

Sabrina Slawinski, der neuen hauptamtlichen Mitarbeiterin der Telefonseelsorge, ist es wichtig, dass jeder Anrufer ernst genommen wird. Foto: Rosemarie Garbe

Feiertage können ganz schön einsam sein – nicht nur in der Corona-Krise. Das schlägt sich auch in den Anrufen bei der Telefonseelsorge nieder. „2020 hatten wir an den Osterfeiertagen bundesweit das höchste Gesprächsaufkommen des Jahres“, sagt Sabrina Slawinski, die neue hauptamtliche Mitarbeiterin der Telefonseelsorge in Braunschweig. Auch rund um Weihnachten gab es mehr Gespräche und mehr Online-Chats, eine Kommunikationsform, die vor allem von Jüngeren genutzt wird. Doch es ist nicht nur Einsamkeit, die Menschen zum Telefonhörer greifen lässt: depressive Stimmungen, Trauer, Zukunftsängste, Suizidgedanken, Beziehungsprobleme und dann noch Corona – an langen Wochenenden wählen mehr Menschen die deutschlandweit einheitlichen Rufnummern, unter denen rund um die Uhr ein kompetenter Gesprächspartner oder eine Gesprächspartnerin zu erreichen ist.


Wenn die Tage und Abende lang sind, sehnen sich viele Anrufer nach jemanden, dem sie ihr Herz ausschütten können, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Bei der Telefonseelsorge verlaufen alle Gespräche anonym und auch der Ort, an dem die Anrufe von Hilfesuchenden entgegengenommen werden, bleibt geheim. Für die Sozialpädagogin und Systemische Familientherapeutin Sabrina Slawinski ist wichtig, dass jeder Anrufer ernst genommen und ihm oder ihr auf Augenhöhe begegnet wird.


Trost kann auch die Osterbotschaft spenden, wenn sie denn bedeutet, dass es auch in der Krise weitergeht, dass diese nicht zwangsläufig das Ende des Lebens markiert, sondern vielleicht den Beginn von etwas Neuem darstellt. Sabrina Slawinski: „In die Gespräche wirkt unausgesprochen die Idee von Kreuzigung und Auferstehung hinein, denn in vielen Gesprächen geht es ja darum, gemeinsam nach neuen hoffnungsvollen Perspektiven Ausschau zu halten.“ Dabei können die Ehrenamtlichen die Anrufer begleiten; eine Therapie können sie jedoch nicht ersetzen.


Vor allem nachts und an den Wochenenden gibt es manchmal so viele Anrufe, dass es den Hilfesuchenden erst nach mehreren Versuchen gelingt, einen der professionalisierten Laien zu erreichen. Eine Alternative zum Gespräch kann das Schreiben einer E-Mail unter einem Pseudonym sein. Auch der zeitlich begrenzte Chat ist für manche hilfreich und wird immer mehr angenommen. „Ich versuche jetzt, die Ehrenamtlichen für die Chat-Seelsorge zu begeistern“, sagt Sabrina Slawinski. „Es ist wichtig, dass wir auch diesen Kanal bespielen.“ Denn ein Chat bietet andere Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und es kommen Themen zur Sprache, die sonst eher verschwiegen werden. Auch das kann eine wertvolle Hilfe sein.  

Info:
Die Telefonseelsorge in Braunschweig ist kostenfrei unter den bundeseinheitlichen Nummern 0800/1110111 oder 0800/1110222 zu erreichen. Die Anmeldung zur Onlineseelsorge und zum Chat ist unter www.telefonseelsorge-braunschweig.de möglich.
 

 

Verfasser: Rosemarie Garbe