Propstei Braunschweig
12.04.21

Vollzeitstellen gibt es bei Küstern nur noch selten

Arbeitsgemeinschaft der Kirchenvögte sucht Nachwuchs für die Vorstandsarbeit

Handwerkliches Geschick erforderlich: Kirchenvogt Lothar Püster schraubt ein Fallrohr auf.

Sie dekorieren den Altar mit frischen Blumen, bereiten die Gottesdienste vor, erledigen Reparaturen, sorgen für Sauberkeit in den Kirchen, die richtige Akustik und eine funktionierende Heizung: die Kirchenvögte oder Küster. In St. Andreas hat Lothar Püster dieses Amt übernommen und er ist damit rundum zufrieden: „Es ist eine sehr abwechslungsreiche und vielfältige Tätigkeit.“ Vor Beginn seiner Arbeit hält er jeden Morgen für einige Minuten inne und lässt die Atmosphäre in der hellen, lichtdurchfluteten Kirche auf sich wirken. „Es ist keine normale Arbeitsstelle“, sagt der gelernte Heizungsbauer. Dass er auch an Sonn- und Feiertagen im Einsatz ist, stört ihn dabei nicht: „Das gehört dazu.“

Während die Kirchenvögte noch in den 1970-er Jahren ganztags beschäftigt waren, gibt es heute immer mehr Teilzeitstellen und einige Küster sind nur wenige Wochenstunden angestellt. Einzige Ausnahme in der Landeskirche sind nach Auskunft Püsters zwei Vollzeitstellen im Braunschweiger Dom, da es dort normalerweise viele Touristen und zahlreiche Veranstaltungen gibt. Manche Gemeinden setzen angesichts knapper Kassen auch auf Ehrenamtliche, die die Aufgaben des Küsters übernehmen. Für die Arbeitsgemeinschaft der Kirchenvögte in der evangelischen Landeskirche Braunschweig ist diese Entwicklung problematisch. „Wir finden nicht mehr genug Mitglieder, die sich im Vorstand engagieren wollen“, beklagt Püster, der dem Gremium ebenfalls angehört und um dessen Existenz fürchtet.
Dabei ist die Arbeitsgemeinschaft sehr wichtig, denn deren Mitglieder bieten Lehrgänge für künftige Kirchenvögte an, erläutert Sandra Möbus, Küsterin in Schladen. Kirchenvogt ist schließlich kein Lehrberuf. In den Seminaren geht es etwa um die Farben der Paramente an den Feiertagen des Kirchenjahres, die Pflege von Kerzen, den richtigen Umgang mit Tauf- und Abendmahlgeschirr, die Gestaltung von Blumengestecken, aber auch um Bibelkunde und die Geschichte der Landeskirche. Auch in Fragen der Besoldung sind die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft gefragt.
Und welche Qualifikationen sollten Interessenten mitbringen? „Sie sollten offen für Neues sein, spontan und flexibel, auch in den Gottesdiensten“, sagt Sandra Möbus. Ebenso wichtig ist handwerkliches Geschick, und in manchen Gemeinden gehört nicht nur das gründliche Reinigen der Kirche, sondern auch die Pflege der Außenanlagen mit Rasenmähen und Schneeschippen zu den Aufgaben. Schließlich soll die Kirche einladend wirken und schön geschmückt sein – denn dann fühlen sich deren Besucher wohl.       

Info:
Wer sich für eine Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft oder im Vorstand der evangelischen Kirchenvögte interessiert, kann sich an deren Vorsitzende wenden: carmen.jerke(at)lk-bs(~dot~)de

Verfasser: Rosemarie Garbe