Propstei Braunschweig
30.04.21

„Jeder Gottesdienst wird besonders schön“

Nicht nur klassische Kirchenmusik: Kantor Hanno Schiefner gestaltet wöchentlich ein kurzes Konzertprogramm

Gottesdienst in der Martinikirche mit (von links) Anna Gaschler, Jinkyung Park und Kantor Hanno Schiefner.

Ein Gottesdienst lebt von der Musik – doch welche Alternativen gibt es, wenn Chöre nicht auftreten und die Gemeinde in der Corona-Pandemie nicht singen darf? Der junge Kantor Hanno Schiefner hat für Gottesdienste in der Martini- und in der Katharinenkirche Programme gestaltet, die nicht nur den klassischen Bereich der Kirchenmusik abdecken, sondern alle Facetten von der Alten Musik mit Stücken aus der Renaissance und dem Früh-Barock bis zur Moderne. „Ich versuche die Balance zu halten zwischen bekannten und unbekannten Liedern, geistlichen und weltlichen Stücken, Instrumentalisten und Vokalisten“, sagt Schiefner.
So wie bei dem Gedenkgottesdienst für die Corona-Opfer in der Martinikirche, der musikalisch von Jinkyung Park (Sopran), Anna Gaschler (Violoncello) und Hanno Schiefner (Klavier) gestaltet wurde. Hier war nicht nur das Agnus Dei von Johann Sebastian Bach zu hören, sondern auch eine Elegie von Bertold Hummel, einem zeitgenössischen deutschen Komponisten. Für Jinkyung Park, Mitglied des Chores am Braunschweiger Staatstheater, und die Cellistin Anna Gaschler, Dozentin an der Musischen Akademie, war das eine willkommene Auftrittsmöglichkeit.
Auch Studierende oder freiberufliche Musiker werden für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste engagiert und nehmen diese Angebote gern wahr. „Kultur lebt schließlich vom gegenseitigen Wahrnehmen, von einer Wechselwirkung zwischen Auftretenden und Publikum“, sagt Schiefner, der seit 2019 Kantor an St. Martini ist und seit Anfang des Jahres auch für St. Katharinen zuständig ist. Die Gemeinden freuen sich über attraktive Angebote und es kommen auch Menschen, die zu anderen Zeiten eher ein Sinfoniekonzert als einen Gottesdienst besuchen.
Für Schiefner bedeutet die Corona-Krise, dass sich sein Arbeitsbereich sehr verändert hat. Chorproben entfallen, stattdessen bereitet er wöchentlich ein kurzes Konzertprogramm für die Gottesdienste vor und begleitet die Stücke an Orgel, Klavier oder Cembalo. „Das ist mehr Aufwand, aber es lohnt sich.“ Bei der Gestaltung des Programms berücksichtigt er gern Vorschläge aus dem Repertoire der Solisten. Und was erwartet die Besucher in den nächsten Wochen? „Jeder Gottesdienst wird besonders schön“, verspricht der Kantor, der Pläne bis Ende Juni erstellt hat. Höhepunkte werden sicher die Kirchensonaten von Mozart am 9. Mai und die Triosonaten für Flöte, Oboe und Orgel am 30. Mai (beides in St. Martini) sein sowie französische Musik für Gesang und Cello am 20. Juni in St. Katharinen. „Die Menschen dürsten nach Kultur und Musik“, weiß Schiefner. „In einer Krise können sie Kraftquelle und Inspiration sein.“

Info:
Nähere Informationen zu den Gottesdiensten finden sich auf den Websites der Gemeinden:  www.katharinenbraunschweig.de und www.martinimusik-bs.de.

 

Verfasser: Rosemarie Garbe