Propstei Braunschweig
22.05.21

Stille Post

Stille Post, so heißt das beliebte Spiel, bei dem ein Satz von Ohr zu Ohr weitergegeben wird. Der kuriose Reiz des Spiels: Am Ende kommt etwas völlig anderes raus, das mit dem ursprünglich formulierten Satz meist gar nichts mehr zu tun hat. Hier wird auf spielerische Weise entlarvt, wie schwierig Kommunikation ist.
Das Gemeinte, das Gesagte und das Gehörte sind eben bei weitem nicht immer deckungsgleich. An jeder Schnittstelle zwischen Sender, Botschaft und Empfänger können Fehlinterpretationen eintreten. Außerdem menschelt es bei der Kommunikation, die gemeinsame Geschichte, die jeweiligen Erwartungshaltungen, die Gefühle und Verletzungen - all das beeinflusst, ob wir wirklich verstehen, was wir uns sagen.
Gar nicht einfach! Weder im Kleinen, noch im Großen. Wie viele Konflikte, wie viel Streit, wie viel Tränen könnten wir uns sparen, wenn unsere Kommunikation besser wäre? Ob in der Familie oder am Arbeitsplatz, ob zwischen Einzelnen oder zwischen Ländern, es braucht Verständigung.
Christen feiern an Pfingsten das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Wer die Pfingstgeschichte nachliest, wird feststellen, da geht es auch um Verständigung. Es wird sogar ein Kommunikationswunder beschrieben! Wie aber gelingt dort Kommunikation? Sie gelingt, weil Menschen von Gottes Geist der Liebe ergriffen werden.
Wer diesen Geist der Liebe Gottes erfährt, der muss nicht mehr seine Weltsicht gegen die der anderen stellen, der muss sich nicht mehr um jeden Preis durchsetzen. Mit der Perspektive der Liebe kann ich erfahren, dass andere Wahrnehmungen mich bereichern, dass auch Kritik hilfreich sein kann, und dass auch der mir fremd oder gar feindlich Gesonnene, am Ende ein Mensch ist, der genauso der Liebe bedarf wie ich.
Vielleicht also wagen Sie es und nutzen Pfingsten für ein Wort der Liebe.


Frohe Pfingsten!

 

Verfasser: Propst Lars Dedekind