Propstei Braunschweig
19.06.21

„Der Jugendarbeit droht eine Zäsur“

Diakon Volker Riegelmann sorgt sich um die Generation Corona

Seit 36 Jahren mit viel Spaß bei der Arbeit mit Kinder und Jugendlichen: Diakon Volker Riegelmann. Foto: privat

In Sachen Kinder- und Jugendarbeit macht Volker Riegelmann so schnell niemand etwas vor. Seit 36 Jahren ist der gelernte Kunststoffschlosser und studierte Religionspädagoge als Diakon tätig und hat in dieser Zeit viele Herausforderungen gemeistert. Doch den ersten Veranstaltungen in diesem Jahr und den Freizeiten im Jahr 2022, wenn die Corona-Krise hoffentlich vorbei ist, sieht er mit großer Sorge entgegen: „Das wird hart. Ich habe Angst um die Generation Corona.“ Viele Mädchen und Jungen, zu denen er vor der Pandemie im Jugendzentrum Gliesmarode oder bei Angeboten der Evangelischen Jugend regelmäßig Kontakt hatte, konnte er nur selten treffen. Und Kinder mit Handicaps, die bei den integrativen Veranstaltungen stets dabei waren, habe er seit anderthalb Jahren gar nicht mehr gesehen. „Wir müssen mit der Jugendarbeit ganz neu anfangen“, befürchtet der Diakon. „Das wird eine Zäsur.“
So sei es unsicher, ob die zahlreichen jugendlichen Teamer, ohne die Freizeiten für Kinder mit und ohne Handicaps gar nicht stattfinden können, überhaupt weiter zur Verfügung stünden. Doch ohne Unterstützung ehrenamtlicher Helfer ließen sich Ferienwochen in Selbstversorger-Häusern mit gemeinsamen Kochen, Ausflügen, Spielen und abendlichen Lagerfeuern nicht organisieren. Zumal Kinder mit Handicaps auf zusätzliche Hilfe angewiesen sind. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die Eltern, die eine Teilnahme ihrer Kinder befürworten müssen. „Wir wissen nicht, wie ängstlich sie sein werden“, sagt Riegelmann. Auch die Angebote müssen seiner Einschätzung nach verändert werden, da es im Bereich der außerschulischen Bildung Defizite durch Corona geben könnte: „Es fehlt das, was Kinder normalerweise auf Freizeiten lernen, beispielweise Rücksicht nehmen und andere respektieren.“
Verschärft wird diese Situation durch die die technischen Möglichkeiten, die zu einer zunehmenden Vereinzelung der Jugendlichen führen können. „Knopf im Ohr, Handy an“, bringt es Riegelmann auf den Punkt. „Unsere Aufgabe ist es, sie wieder sprachfähig zu machen.“ Bereits vor der Corona-Krise hat die „Handy-Seuche“ den Anbietern von Freizeiten Kopfzerbrechen gemacht. „Kein Handy, kein Fernsehen, da sind manche echt auf Entzug“, hat Riegelmann festgestellt. Außerdem gehe durch die ständige Erreichbarkeit über das Smartphone die Unbefangenheit vorheriger Generationen verloren.
Um Kindern und Jugendlichen möglichst schnell wieder Normalität zu ermöglichen, stehen die Organisatoren von Freizeiten in den Startlöchern. Beispielsweise mit Angeboten zum Spielen und Toben auf dem Abenteuerspielplatz in Gliesmarode und – wenn es die Vorschriften erlauben – dem Kinderkirchenfest im September. Denn eins zeichnet diese Freizeiten nach wie vor aus: die Liebe zum Gegenüber und der Spaß am Miteinander.
 
 
Info:
Aki-Inklusiv heißt es an mehreren Sonnabenden (19. Juni, 3. und 10. Juli) auf dem Abenteuerspielplatz in Gliesmarode, hier können Kinder spielen und toben. In den ersten beiden Wochen der Sommerferien findet dort für 6- bis 12-jährige eine Freizeit statt, allerdings ohne Übernachtung. Anmeldungen beim Stadtjugenddienst unter 0531-49017.  
 
 

 

Verfasser: Rosemarie Garbe