Propstei Braunschweig
28.08.21

Amazing Grace

Was hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was tust du so stolz, als könntest du irgendetwas dafür?
Alles ist Gnade, alles geschenkt. Nur eben nicht allen dasselbe. Ein eindrücklicher Text vom Sonntag vor zwei Wochen. Wenn doch alle die tiefe Erkenntnis der Gnade fänden, die unweigerlich in Demut und Dankbarkeit führt.
Die gesamte Existenz ist gegeben. Man kann darüber klagen, dass sie nicht fair und vollkommen scheint, aber ohne das Gegebensein gäbe es weder Klage noch Dank. Ebenso wäre es mit dem Zufall als Schöpfer. Alle Warum-Fragen wären unsinnig. Doch selbst eine Blume ist derart komplex geordnet und auf ihre Art sogar schlau, dass ich dahinter einfach einen genialen Geist annehmen muss. Oder Gott, den Schöpfer, den Allmächtigen.
Dass ich atme, denke, fühle, alles ist empfangen. In einer Demokratie geboren zu werden, ein Dach über dem Kopf haben und essen. Auch dass Herz und Sinn offen waren für den christlichen Glauben.
Stellt sich die Frage: Was ist mit denen, die kein Dach über dem Kopf haben. Die an Hunger, unheilbaren Krankheiten oder in geistiger Umnachtung sterben. Wo ist da die Gnade? Sicher, Unversöhnte und Gottesferne Menschen verursachen viel Leid, doch das ist nur eine Teil-Erklärung.


Antwort vorweg: Ich weiß es nicht. Aber mir hilft eine kleine Jesus-Geschichte. Da ist ein Mann, blind von Geburt. Jesu Nachfolger versuchen schnell die Warum-Frage zu klären und deuten die Krankheit als Folge der Sünde. Jesus jedoch interessiert diese Spekulation nicht, sondern er tut, was er kann, um zu helfen. Er heilt und öffnet die Augen des Blinden.
Fazit für heute also: Ja, alles ist Gnade. Aber warum nicht immer dieselbe, ist verborgen. Offenbar bleibt, jeden Moment zu empfangen und aus dem, was ich empfange, dankbar und hilfsbereit zu leben. Um Gottes Willen und zu seiner Ehre.

 

Verfasser: Sandra König