Propstei Braunschweig
01.09.21

Gedanken zum Monatsspruch September 2021 von Propst Lars Dedekind

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Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt, ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.   (Hag 1,6)

Ist das so? Sprechen diese 2.500 Jahre alten Worte des Propheten Haggai auch uns an? Sind wir überhaupt als Adressaten gemeint oder sind diese Worte alter Tobak, Schnee von gestern?

Zunächst einmal, so wird man konstatieren müssen, galten diese Worte nicht uns, sondern den aus dem Babylonischen Exil zurückgekehrten Juden. Sie hatten sich wieder angesiedelt in dem Land ihrer Väter und Mütter. Hatten die zerfallenen Häuser wieder aufgebaut, die brach liegenden Äcker wieder bestellt. Sie waren dabei sich in ihrem Land einzurichten und brachten sich mit ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement ein, damit sie wirtschaftlich solide und sicher aufgestellt waren.
Was sie nicht taten, war, den Tempel Gottes ebenfalls wieder aufzubauen. Auf diese Verengung des Lebens auf das leibliche, das wirtschaftliche Wohl hin, postulieren die Worte Haggais, dass dieses alleine nicht reicht. Was damals fehlte war die verortete Präsenz Gottes in ihrer Mitte. Der Wiederaufbau des zerstörten Tempels (vgl. Hag 1,7-9).

Und bei uns?

In unserer Stadt gibt es Gottes Häuser, stehen Kirchen. Architektonisch gestalteter Raum für die Präsenz Gottes ist also gegeben. – Auch wirtschaftlich sind wir sicherlich noch besser versorgt als die Menschen damals.
Und doch, ist es nicht auch bei uns so, dass eine Leere bleibt?
Bei uns persönlich?!
Bei uns als Gesellschaft?!
Bei uns als Kirche?!

Die Worte Haggais bieten noch nicht die Antwort auf diese Fragen. Aber sie legen mutig den Finger in die Wunde. Sie laden ein zum Nachdenken über das, was wirklich zählt. Sie fragen nach dem Eigentlichen. Sie fragen nach der Mitte meines Lebens.

Um es mit Martin Luther zu sagen: „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“ Und unser Herz hängt häufig an allzu Vergänglichem, allzu Überflüssigen, allzu Überbewerteten und eben nicht an der Quelle und Kraft des Lebens selbst.

Auch uns fordern also die Worte des Monatsspruchs dazu auf, uns aufzumachen und in allen Bereichen des Lebens nach der Präsenz des lebendigen Gottes zu suchen. Mich von Gott füllen, sättigen, trösten, wärmen und neu aufrichten zu lassen, um dann selber mitzutun und mit meiner ganzen Existenz mitzubeten, mitzuwirken und Gottes Reich wachsen zu lassen in mir und in dieser Welt.
Das wir Gottes Präsenz so neu für uns entdecken, dass wünsche ich mir für unsere Welt, für die Kirche und für eine und einen jeden von uns ganz persönlich!

Verfasser: Propst Lars Dedekind