Propstei Braunschweig
18.09.21

Lebendige Hoffnung

„Wie lange dauert es noch?", quengelt das Kind auf dem Autorücksitz. Wer unterwegs ist, der will auch wissen, wie und wann er endlich am Ziel ankommt. In unserem Leben und besonders in dieser Pandemie ist das leider nicht so einfach. Bei einer Autofahrt können wir durch Navis mittlerweile fast Minuten genau die Ankunftszeit berechnen. In der Pandemie sitzen wir jetzt alle, wie ungeduldige Kinder, auf dem Rücksitz und hoffen, dass es bald vorbei ist. Im letzten Jahr gab es immer wieder ein Hoffen und ein Bangen. Manche Hoffnungen auf große Weihnachts- oder Geburtstagsfeiern wurden enttäuscht. Andere Hoffnungen, wie die Entwicklung eines Impfstoffs haben sich erfüllt. Und auch einige Veranstaltungen waren dann überraschender Weise doch wieder möglich. In unserem Leben sind wir getragen von unseren großen und kleinen Hoffnungen. Solche Hoffnungen und Träume sind wichtig. Sie schenken uns Kraft und Energie.

Jesus war für die Menschen ein Hoffnungsträger. Er hat ihnen Mut gemacht, trotz schwerer Zeiten, trotz Krankheit oder Armut an der Hoffnung festzuhalten, dass Gott sie am Ende rettet. Selbst im Tod, hat er an diesem Glauben festgehalten und ist damit selbst zur lebendigen Hoffnung geworden. Das kann auch uns Mut machen. Sowohl im Blick auf unsere persönliche Zukunft, als auch die Zukunft unserer Gesellschaft. Jetzt bei den Wahlen kommen da viele Fragen auf. Was kann und soll man hoffen und was ist realistisch umsetzbar? Der Blick in die Zukunft kann erschreckend sein. Ob Prognosen zum Klimawandel oder der immer wieder aufkeimende Rassismus, da ist vieles, was entmutigen kann. Wie sieht die Zukunft unseres  Planeten, wie sieht die Zukunft unserer Gesellschaft aus? „Zukunft fair gestalten!", dazu ruft die faire Woche auf. Wir müssen nicht nur unsicher auf dem Autorücksitz hocken und abwarten, ob wir irgendwann ankommen, sondern wir können die Zukunft dieser Welt aktiv mitgestalten. Wir können und dürfen Hoffnungsträger für andere sein, indem wir auf unfaire Arbeitsbedingungen oder die Verletzung der Menschenwürde aufmerksam machen. Und auf diesem Weg sind wir nicht allein, sondern Gott begleitet uns dabei und will uns helfen, dass unsere Hoffnungen und Träume lebendig werden.

Verfasser: Pfarrerin Anne-Lisa Hein