Propstei Braunschweig
16.09.21

Ausstellung „art to believe“ öffnet neue Blickwinkel und ist Anlass für Gespräch

Besucher zum Staunen bringen

Kirchenpädagogin Gabriele Geyer-Knüppel zeigt die wunderbar vielschichtig gestalteten Kelche von Künstlerin Ursula Reiff, die in der St. Johanniskirche zu sehen sind.

Die alten Braunschweiger Kirchen besuchen und dabei moderne Kunst für sich entdecken – das ermöglicht die Ausstellung „art to believe“, die noch bis zum 10. Oktober in 13 sakralen Räumen in Braunschweig zu sehen ist. Bei dem Ausstellungsparcours des Bundes Bildender Künstler (BBK) in Kooperation mit der Propstei Braunschweig zeigen 22 Künstler und Künstlerinnen aus Niedersachsen, darunter sind auch Studierende der HBK Braunschweig, ausgewählte Arbeiten.  „Wir wollen neue Blickwinkel öffnen, die Menschen zum Staunen und miteinander ins Gespräch bringen“, sagt Pfarrerin und Kirchenpädagogin Gabriele Geyer-Knüppel.

Doch der Zugang zu moderner Kunst ist manchmal nicht leicht. „Die Werke sind oft nicht selbst erklärend“, hat Pfarrerin Geyer-Knüppel festgestellt. Hier kann das Rahmenprogramm der Kirchenpädagogik wertvolle Hilfestellung bieten. Bei den niedrigschwelligen Angeboten – etwa Führungen, Workshops und Gesprächen mit den Künstlern – geht es weniger um die  Vermittlung von Wissen. „Es sind vielmehr Begegnungen auf Augenhöhe“, sagt die Kirchenpädagogin. „Die Angebote sind allenfalls eine Anleitung fürs Schauen und Fragen, damit der Einzelne in Berührung mit sich selbst kommen kann.“

Beispielsweise in der St. Johanniskirche an der Leonhardstraße. In der hellen Kirche im neugotischen Stil hat Künstler Stephan Gräfe transparente Folien aufgehängt, auf denen in großen Buchstaben Worte stehen, die in der Bibel häufig zu finden sind, etwa Empfangen, Senden oder Zorn. Im sakralen Raum bekommen die Worte eine besondere Bedeutung und können zum Nachdenken anregen. In St. Johannis finden sich vor dem Altar darüber hinaus sieben wunderbar vielschichtig gestaltete Kelche aus Naturfundstücken und Pappmaché von Künstlerin Ursula Reiff. „Sie verweisen auf die Passionsgeschichte“, erklärt Pfarrerin Geyer-Knüppel. Und sie waren Anstoß für Kinder, selbst kleine Gefäße zu basteln und mit Blüten, Blättern und Holzstückchen zu schmücken. 

In den Kirchen, in denen Menschen seit Jahrhunderten beten, haben die Kunstwerke eine außergewöhnliche Ausstrahlung. „Die Menschen lieben diese aufgeladene Atmosphäre“, weiß Pfarrerin Geyer-Knüppel. Manche Kunstwerke haben einen direkten Bezug zu dem Kirchenraum, in denen sie zu sehen sind. Etwa in St. Magni. Hier finden sich an der Nordseite der Kirche eine farbige Fensterwand, auf der der Zug der Israeliten durch das Rote Meer zu sehen ist und die Installation „Wanderung“ von Edin Bajric´, 5000 einzelne Gipsgüsse, die sich schwarmartig über den Boden ergießen. Die Klanginstallation von J. Georg Brandt gibt dem stummen „Rufer“ auf St. Magni eine Stimme. Und bei der Installation „Animus – Anima“ von Anna.Laclaque wird das Video einer Frau auf eine barocke Jesusfigur profiziert und stellt so überlieferte Sichtweisen in Frage. Überraschend und berührend.

In St. Petri findet Sonntag, 19. September, um 18 Uhr eine Abendkirche im Rahmen der Ausstellung „art to believe“ mit den Künstlern Sophia Amato und Hae Kim statt. Die beiden sind dort auch am  Mittwoch, 6. Oktober, um 18 Uhr bei einem Künstler-Gespräch zu Gast.

„Lyrik zur Nacht im Kreuzgang – ein Dialog zwischen Mittelalter und Moderne“ heißt es am Montag, 27. September, um 20 Uhr; mit dabei sind Pfarrerin Johanna Klee und Kirchenpädagogin Gabriele Geyer-Knüppel.

Am 21. und 28. September sowie am 1. und 5. Oktober gibt es auf zwei unterschiedlichen Routen jeweils um 18 Uhr Abendführungen zu den Kunstwerken in den Kirchen. Weitere Informationen unter www.kunsthausbbk.de/art-to-believe/

Verfasser: Rosemarie Garbe