Propstei Braunschweig
09.10.21

„Wer etwas verbessern will, muss sich einbringen“

Der Student Jan Ammermann engagiert sich für ein besseres Klima

Ein gutes Netzwerk ist wichtig:

Als es im japanischen Fukushima 2011 nach einem Tsunami zur Atomkatastrophe kam, war Jan Ammermann gerade 13 Jahre alt. Doch dieser Unfall hat ihn so erschüttert, dass er ein Jahr später aus Anlass des ersten Jahrestages dieser Katastrophe eine kilometerlange Lichterkette mit organisiert hat, um der Opfer zu gedenken. „Ich war mit Abstand der Jüngste“, erinnert sich Ammermann, der sich damals Umweltverbänden angeschlossen hatte. Seine kritische Haltung gegenüber Atomkraft ist geblieben und als die Bewegung „Fridays for Future“ Anfang 2019 in Braunschweig zu ersten Demonstrationen aufrief, war es für ihn keine Frage, dass er sich auch dort engagieren würde. „Hier gab es die Chance, noch einmal was Großes anzustoßen“, sagt er rückblickend. „Die Probleme, die die Klimakrise mit sich bringt, sind riesig, das gesellschaftliche Interesse war jedoch eher gering.“

Mittlerweile gehört der 24-jährige Student des Umwelt-Ingenieurwesens bei Fridays for Future fast schon zu den alten Hasen. Da es in der Bewegung keine feste Aufgabenteilung gibt, hat er sich dort in unterschiedlichen Bereichen engagiert. Er hat Netzwerke aufgebaut, Spenden gesammelt, Kontakte zu Politikern, Unternehmen, Wissenschaftlern und Kirchen geknüpft. Und er hat festgestellt, dass viele der Bewegung sehr viel offener und positiver gegenüber stehen als anderen Umweltverbänden: „Sobald der Name Fridays for Future fällt, hat man einen leichteren Zugang.“ Wenn auch nicht überall.

Eine besondere Herausforderung ist es, eine Demonstration vorzubereiten. Neben Studium und Schule kümmern sich die Organisatoren um Genehmigungen und die Festlegung einer Route, und außerdem, so Ammermann, muss eine Demo den Teilnehmern auch Spaß machen. „Dazu gehören Auftritte von Musikern, interessante Redner und auch was Schönes, etwa ein Gedicht.“ Doch das ist längst noch nicht alles, auch der Aufbau der Bühne, die Beschaffung von Strom und eine genaue Inspektion der Demonstrationsroute mit möglichen Stolperfallen müssen bedacht werden. Das bedeutet großen Einsatz und wenig Schlaf. „Irgendwann hat man kein Privatleben mehr“, sagt der Student, „und mich hat das Freundschaften gekostet.“

Obwohl sein Herz noch immer Fridays for Future gehört, engagiert sich Ammermann mittlerweile verstärkt bei der Initiative „Braunschweig muss handeln“, einer überregionalen Plattform, die sich für konsequenten Klimaschutz als Aufgabe aller Generationen einsetzt und dieses Thema möglichst vielen Menschen vermitteln will. „Wenn man in der Gesellschaft etwas verbessern will, muss man sich einbringen“, sagt der 24-Jährige. Das Engagement von Bewegungen wie Fridays for Future lohne sich auf jeden Fall: „Die Leute sind dadurch offener geworden und haben einen anderen Blick für die Klimakrise bekommen.“ Ob das allein reicht, um einen Wandel herbeizuführen, bezweifelt er indes.

Verfasser: Rosemarie Garbe