Propstei Braunschweig
12.10.21

Armut bleibt eine Herausforderung

Neue Studie zur Lebenssituation von Familien mit geringem Einkommen

Neue Studie zur Familienarmut.

Braunschweig. Die Armut von Familien bleibt eine sozialpolitische Herausforderung. Das zeigt eine neue Studie der Diakonie im Braunschweiger Land und der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die am 12. Oktober in Braunschweig vorgestellt wurde. Sie vergleicht die Lebenssituation von 50 Familien mit der vor neun Jahren.

Lediglich für 42 Prozent von ihnen habe sich die Lage sowohl subjektiv wie objektiv verbessert, erklärte Professor Dr. Holger Ziegler von der Fakultät für Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld. Das sei ein geringerer Prozentsatz als angesichts der positiven Wirtschaftsentwicklung insgesamt erwartbar gewesen wäre. Ziegler ist zusammen mit Andreas Kämper von der Gesellschaft für Organisation und Entscheidung (Bielefeld) Autor der Studie.

Sie unterstreiche die sozialpolitische Forderung, das Einkommen von armen Familien zu erhöhen, zum Beispiel durch die Anhebung des Mindestlohns, um diese aus der Armutsfalle zu führen, so Kämper. Es sei falsch zu behaupten. Arme seien arm, weil sie im Arbeitsleben versagen. Vielmehr sei der Grund ihres Versagens die Armut und die daraus resultierenden mangelnden Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe. Kämper warnte davor, Armut nur als materielle Entbehrung zu verstehen. Sie sei auch mit einem Mangel an Lebensqualität verbunden. Es sei bedrückend, dass für viele Familien Armut eine dauerhafte Belastung sei.

Professor Ziegler betonte, die institutionelle Unterstützung von Familien mit geringem Einkommen sei die „wesentliche Scharnierstelle“ für Verbesserungen. Zwar gebe es im Braunschweiger Land wirksame Unterstützungsangebote, allerdings seien sowohl deren Akzeptanz als auch deren Kenntnis verbesserungswürdig. Viele Menschen hätten bei einem Gang zum Sozialamt Angst vor Stigmatisierung oder vor einer Einmischung der Behörden in ihre privaten Angelegenheiten.

Auch bei den Verwaltungsstrukturen, so Andreas Kämper, seien Veränderungen wünschenswert. Hier müsse es um eine stärkere Integration der unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche gehen. Darüber hinaus seien weitergehende Maßnahmen bei der Gesundheitsförderung von armen Familien nötig.

Für Norbert Velten, Vorstand der Diakonie-Stiftung im Braunschweiger Land, ist die neue Studie Motivation und Ansporn, die Lebenssituation von armen Familien in Politik und Gesellschaft stärker bewusst zu machen. Denn bei aller Verbesserung der Wahrnehmung müsse man konstatieren, „dass es nicht gelungen ist, die Schere zwischen Wohlstand und prekären Verhältnissen signifikant zu schließen“.

Ergebnisse der Studie

Verfasser: Michael Strauss