Propstei Braunschweig
06.11.21

Auf der Reise

Ich sitze im Zug. Landschaften fliegen vorbei - bunte Herbstwälder. Regen tröpfelt an den Scheiben hinunter. Es ist kalt. In meinem Abteil sitzen zwei weitere, in Jacken eingepackt.

Es ist ungewohnt für mich, wieder ganze Tage im Zug zu verbringen, um an Tagungen oder Konferenzen teilzunehmen: so richtig präsentisch - oder „kohlenstofflich“, wie manche sagen.

Früher, also das früher vor der Pandemie, da war ich wöchentlich mit dem Zug unterwegs. Das lag an meinen Dienstreisen, aber auch an meiner Fernbeziehung und meinen Familienbesuchen.

Tja, dann kam die Pandemie und ich saß ganze Tage vor meinem PC. Statt fliegende Landschaften sah ich den Gingko im Garten und die Regentropfen am Fenster. Andere Menschen traf ich auf kleinen Kacheln in ihren jeweiligen Arbeitszimmern. Manchmal kochten oder tanzten wir digital zusammen. Und wenn wir die Bildschirme schlossen, waren wir wieder allein daheim.

Finde ich das eine besser als das andere? Möchte ich die alte oder die neue Normalität? Wo wird meine Reise hingehen? Welche Verbindung werde ich nehmen? Welche Menschen werden in mein Abteil einsteigen? Wen lasse ich am Bahnhof zurück?

Wohin auch immer es gehen wird, ich glaube, dass Gott dabei ist. Er sitzt mit mir im Zug, trinkt Kaffee und stellt die Heizung an: „Siehe, ich bin bei dir und behüte dich überall, wohin du auch gehst.“ (1. Mos 28,15)

Verfasser: Johanna Klee, Studienleiterin THZ Braunschweig