Propstei Braunschweig
19.11.21

Kirchliche Trauung für alle

Synode beschließt mit großer Mehrheit Änderung des Traugesetzes

Kai Florysiak plädierte für eine Verabschiedung des neuen Traugesetzes, das eine kirchliche Trauung für alle vorsieht. Foto: Klaus G. Kohn

Braunschweig. Die Landeskirche Braunschweig ermöglicht die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher und Menschen mit dem dritten Geschlecht. Die Landessynode hat sich am Freitag, 19. November, in geheimer Abstimmung mit 34 Stimmen (zwei Nein-Stimmen, eine Enthaltung) für eine entsprechende Änderung des Traugesetzes ausgesprochen. Ermöglicht wird die Öffnung durch eine Änderung der Präambel, die eine Bindung der Ehe an Mann und Frau auflöst. Stattdessen wird nun formuliert: „Die Ehe ist eine Gabe Gottes und hat die Bestimmung, das gemeinsame Leben zweier Menschen auf Lebenszeit in gegenseitige Achtung zu gestalten.“

Mit dem Beschluss lehnte die Synode eine Empfehlung von Kirchenregierung, Landesbischof und Kollegium des Landeskirchenamtes ab, vor einer endgültigen Entscheidung eine Stellungnahme der Theologischen Kammer sowie der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) abzuwarten. Die drei anderen Leitungsorgane hatten den Gesetzentwurf zwar ebenfalls begrüßt, plädierten aber dafür, „aufgrund der hohen Bedeutung des Regelungsinhalts über die Landeskirche hinaus in die Gemeinschaft der Gliedkirchen der EKD und die ökumenischen Partnerkirchen“ erst nach Vorlage eines theologischen Gutachtens endgültig zu entscheiden.

Mit der neuen Regelung geht die Landeskirche Braunschweig über Traugesetze in anderen Kirchen hinaus, die lediglich die kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Menschen ermöglichen. Nur 13 Synodale waren für eine Verschiebung der Entscheidung bis zur Vorlage eines theologischen Gutachtens, 19 dagegen. Fünf Synodale enthielten sich.

Kai Florysiak (Braunschweig) meinte, die Angelegenheit sei hinreichend diskutiert worden. Die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher und Menschen mit dem 3. Geschlecht seitens der Kirche müsse jetzt beendet werden. Dem gegenüber plädierte Propst Thomas Gunkel (Goslar) dafür, eine substanzielle theologische Auseinandersetzung abzuwarten, bevor die Synode eine endgültige Entscheidung trifft. Es reiche nicht, Bibelstellen zu zitieren, die zur eigenen Weltanschauung passen.

Auch Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer sprach sich als stellvertretender Landesbischof für ein qualifiziertes theologisches Gespräch über die verschiedenen Positionen aus und warnte vor einer Selbstsäkularisierung der Kirche. Denn man müsse damit rechnen, dass nicht alle Mitglieder der Landeskirche und ökumenischen Partner die Entscheidung mittragen. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Einheit der Kirche erhalten bleibe, wenn wir uns an Jesus Christus als der Mitte der Kirche und dem Grund des Glaubens ausrichten und nicht an uns selbst.

Verfasser: Michael Strauss