Propstei Braunschweig
10.01.22

Monatsspruch Januar 2022

Kommt und seht! (Johannes 1,39): Gedanken zum Monatsspruch

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Die Jahreslosung aus Johannes 6,37:
Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Der Monatsspruch für Januar aus Johannes 1,39:
Jesus Christus spricht: Kommt und seht!

Zwei Worte Jesu begleiten uns am Anfang dieses neuen Jahres. Beides Worte aus dem Johannesevangelium. Beides Worte, die uns einladen:
„Kommt!“, so spricht Jesus damals zu den Menschen seiner Zeit – und zu allen Menschen jeder Zeit.

Die Einladung steht. Jesu Tür ist weit offen. Nicht nur einen kleinen Spalt, nicht nur für einige wenige Berufene, nicht nur für die Elite, die Einflussreichen oder die besonders Frommen. Nein, Jesus macht die Tür hoch und die Tor weit, damit alle kommen und sehen können, dass er niemanden abweist.

 „Kommt und seht!“
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, sagt Jesus.

Vielleicht sind Sie, bist Du jetzt gar nicht verwundert, sondern denkst: „Na ja, was anderes hätte ich jetzt auch gar nicht erwartet. Natürlich ist Jesus für alle da, natürlich weist er niemanden ab.“

Aber so selbstverständlich, wie das klingt, ist es wahrlich nicht. Vielmehr war und ist diese Einstellung Jesu geradezu revolutionär! Damals wie heute wurde und wird unterschieden nach Staats- oder Volkszugehörigkeit, nach Rang und Status, nach Geschlecht, nach Loyalität, nach politischer Einstellung, nach Religionszugehörigkeit.

Es gab und gibt klare Zuständigkeiten, Verantwortungsbereiche, Positionen, die Klarheit und Sicherheit bieten, aber eben auch eingrenzen und begrenzen. Dass Jesus diese Kategorisierungen durchbricht, dass er  ALLE  zum  Kommen auffordert, dass er zusagt, niemanden abzuweisen, der oder die zu ihm kommt, das war und ist eine Herausforderung auch für die, die in seiner Nachfolge stehen, für uns als Individuen und als Kirche.

„Kommt und seht!“
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, sagt Jesus
– und was sagen wir?

Was bedeuten diese Worte Jesu angesichts heutiger Herausforderungen? Was bedeuten sie mit Blick auf die großen Fragen nach Freiheit und Frieden? Was mit Blick auf die Verteilung von Bildung, Wohlstand und wirtschaftlichen Gütern? Was mit Blick auf Umwelt-, Klima- und Generationengerechtigkeit? Was angesichts der aktuellen globalen Pandemielage? Und was mit Blick auf die vielen Menschen, die auf der Flucht sind?

Was heißt, „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, angesichts kenternder Flüchtlingsboote und ertrinkender Flüchtlinge auf dem Mittelmeer?

Was heißt „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ mit Blick auf die Menschen, die voller Sorge und Angst sich anderen verschließen und niemanden aufnehmen wollen?

Wie schaffen wir es als Individuen, als Gesellschaft und auch als Kirche niemanden in seinen Sorgen und Nöten abzuweisen, sondern immer wieder neu und mutig das „Kommt und seht!“ allen anzubieten?

Nein, es ist gar nicht selbstverständlich, was Jesus hier sagt und was er uns vorgelebt hat. Es bleibt eine Herausforderung, die nur allzu häufig anstößt und aneckt. Aber wer einmal für sich selbst erlebt hat, wirklich in Christus angenommen zu sein, der braucht sich weder vor sich selbst noch vor anderen zu fürchten. Wer so gefestigt ist, wird sich der Kritik stellen können, wird Meinungsdifferenzen aushalten und die Tür trotzdem offen halten. Wird nicht abweisen, sondern zuhören und vielleicht auch ganz Neues wagen.

Das gibt mir Kraft und Zuversicht, zu wissen, dass Gott für mich da ist. Zu Jesus darf ich kommen, so wie ich bin, er wird mich nicht abweisen. In ihm finde ich Geborgenheit, Ausrichtung und Aufrichtung, neuen Mut und Lebenssinn. Und weil ich dieses für mich erfahren habe, möchte ich es auch Dir sagen und Dir Mut machen, Dich auf das Wagnis einzulassen und der Einladung Jesu zu folgen:

„Kommt und seht!“
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“, sagt Jesus.

Mögen Sie, mögest Du erleben, dass sich diese Erfahrung in 2022 auch für dich bewahrheitet!

Ein frohes und gesegnetes 2022!

Lars Dedekind, Propst

Verfasser: Lars Dedekind, Propst