Propstei Braunschweig
09.09.17

Der Blick geht in die Zukunft

Gemeindeglieder in St. Michaelis gestalten Ausstellung „Altäre und Statuen“/ Eröffnung bei der Nacht der Kirchen

In St. Michaelis wird ein ungewöhnliches Kunstprojekt verwirklicht. Anstelle von Profis gestalten künstlerisch engagierte Laien und Kinder der Comeniusschule Altäre und Statuen, die während einer mehrwöchigen Ausstellung in dem mittelalterlichen Gotteshaus gezeigt werden. Die meisten Kunstwerke sind noch nicht aufgebaut, doch Pfarrer Christoph Berger ist schon jetzt zuversichtlich: „Ich glaube, dass es ein gutes Projekt ist, weil es direkt von Mitgliedern der Gemeinde kommt und den Blick nach vorn in die Zukunft richtet.“
In ihren Werken setzen sich die Künstler mit Fragen auseinander, die sie ganz persönlich bewegen: mit dem Abendmahl, mit dem Thema Christus als Erlöser, mit der Flüchtlings-Frage oder mit dem Konflikt der Reformatoren Thomas Müntzer und Martin Luther. Thomas Müntzer hat für St. Michaelis und für die Idee der Ausstellung eine ganz besondere Bedeutung: Er hat Anfang des 16. Jahrhunderts acht Jahre in St. Michaelis gepredigt, in der Zeit vor der Reformation, als es in der kleinen Kirche noch bis zu 14 Altäre gab. Die Schau bezieht sich auf diese bauliche Besonderheit und will gleichzeitig aktuelle Fragen thematisieren. „Die Ausstellung ist ein Ansatzpunkt, damit die Besucher miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Berger.
Bei der Gestaltung der Kunstwerke sind die Künstler völlig frei und müssen sich nicht an historischen Vorbildern orientieren. Zumal es keinerlei Überlieferungen gibt, wie die Altäre seinerzeit aussahen und nur zwei Hinweise, wo sie vermutlich standen. „St. Michaelis war eine Arme-Leute-Kirche“, sagt Berger. Zeichnungen oder Skizzen vom Innenraum existieren nicht.
Zu dem Projekt leistet auch der Pfarrer seinen künstlerischen Beitrag. Er hat sich dabei von der monumentalen Christusstatue Christo Redentor (Christus, der Erlöser) inspirieren lassen, die in der Nähe von Rio de Janeiro steht. Der Name seines Werkes lautet jedoch: „Christus, der Erlöser?“ Mit einem Fragezeichen, das zum Nachdenken anregen soll. Gemeinde-Praktikantin Julia Littmann ist ebenfalls dabei. Sie zeigt eine Skizze mit vielen kleinen Würfeln und einer Plexiglasscheibe, auf der sich die Lutherrose und ein Regenbogen befinden. Mit der Regenbogenfahne ist Thomas Müntzer in den Bauernkrieg gezogen. Sie will damit die Auseinandersetzungen zwischen Martin Luther und Thomas Müntzer thematisieren.

Info-Kasten
Die Ausstellung „Altäre und Skulpturen in St. Michaelis“ wird am Sonnabend, 23. September, um 19 Uhr bei der Nacht der Kirchen eröffnet. Mit dabei sind der Chor von St. Michaelis, das Quartett Sorella A Capella und die Band Change Partners.
Die Schau ist bis zum 31. Oktober in der Zeit von 11 bis 17 Uhr zu sehen (außer montags).


Verfasser:Rosemarie Garbe