Propstei Braunschweig
07.10.17

Pröpstin Uta Hirschler am 07.10.2017 in der nb

Vor der Wahl

Der Bundestag ist seit fast drei Wochen gewählt. Seitdem stehen zur Landtagswahl neue Wahlplakate an den Straßen. Als wir mit dem Auto voller Jugendlicher durch die Stadt fahren, sehe ich die Plakatlandschaft noch einmal neu: Dieses Plakat finden die jungen Menschen interessant gestaltet und jene Botschaft spricht sie an. Manche Stilmittel in den Plakaten stoßen sie ab, obwohl sie die Inhalte durchaus nachvollziehbar und überzeugend finden.
Noch mehr Gesprächsstoff gibt es zu den Botschaften einzelner Parteiaussagen: Warum bezeichnen sich AfD-Politiker, wie der niedersächsische Landesvorsitzende als Christen, wenn sie selbst aus einer christlichen Kirche ausgetreten sind und zum Kirchenaustritt aufrufen? Welche Haltung zeigen Parteiprogramme zu Religion? Und wo ist die Religionsfreiheit, die das Grundgesetz garantiert in Gefahr?
An Plakaten und Wahlprogrammen fällt auch der unterschiedliche Umgang mit Problemen und Ängsten auf.
Viele Botschaften sind lösungsorientiert, manche geben sich mit Problemanzeigen zufrieden. Jemand stellt mit großer Klarheit die Frage nach der Demokratiefähigkeit und macht sie fest an überprüfbaren Fakten, verfassungsgemäßer Lösungsorientierung und der Bereitschaft beides zu diskutieren.
„In der Welt habt ihr Angst, aber siehe ich habe die Welt überwunden.“ Jesus nimmt die Angst der Menschen wahr und ernst, aber er gibt ihr nicht nach. Mauern und Zäune zwischen Menschen zu bauen, liegt ihm fern.
„... und ach, alle lieben.“ So beendete Augustinus seufzend seinen Tugendkatalog für Christen, wohlwissend, dass das, was nötig ist, zugleich anstrengend und verunsichernd sein kann. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ Im Doppelgebot der Liebe lässt Jesus gerade keine Unterscheidung zwischen Freund und Feind, Samariter und Jude zu: Freunde lieben kann jeder Mensch. Feinde zu lieben, ohne ihren Botschaften oder Taten zuzustimmen, ist Arbeit. Sie hilft in dieser Welt gegen die Angst und ist nicht nur für Christen eine angemessene Aufgabe.


Verfasser:Uta Uta Hirschler, Pröpstin