Propstei Braunschweig
11.11.17

Paradies

„Paradise“ – das Wort sollte für „paradiesisch, wunderbar, ohne Veränderungsnotwendigkeit und genau so wie es sein soll“ stehen. Mit „paradise papers“ ist das vorbei. Zig Milliarden Steuerverluste werden geschätzt. Die benannten Verantwortlichen reagieren mit Beteuerungen nichts Illegales getan zu haben. Dabei ist genau mit dieser Aussage das tatsächliche Problem umso treffender benannt: Schlupflöcher im Gesetz ermöglichen, dass ein Verhalten legal ist, das viele Menschen als moralisch und ethisch fragwürdig ansehen.
Sozialarbeit für die Prostituierten, Zur-Verfügung-Stellen von Hilfeleistungen gebührenfrei und unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft, die Privatisierung von Vorsorgeeinrichtungen unterbinden. – Solche Vorschläge klingen so modern, wie sie alt sind. Vermutlich hat sich Johannes Bugenhagen beim Schreiben der Braunschweiger Kirchenordnung vor knapp 500 Jahren nicht träumen lassen, dass seine Überlegungen auch fünf Jahrhunderte später nicht selbstverständlich sind.
„Die Menschen lügen. Alle.“ Der Titel von Arnold Stadlers moderner Psalmen-Übersetzung bringt auf den Punkt, was realistisch ist: Menschen nutzen alle rechtlichen Möglichkeiten und ihre Darstellung ist für andere oft wenig nachvollziehbar. Damals wie heute lebt das Zusammenleben davon, dass politisches Handeln dem Gemeinwohl dient und niemanden aus dem Blick verliert. Und notwendig ist, dass das Recht ausschließt, was moralischen und ethischen Ansprüchen nicht genügt. Wenn es – eines Tages - soweit ist, haben wir sicherlich auch gute Bilder davon, was wir für paradiesisch halten.

Verfasser: Uta Hirschler, Pröpstin