Propstei Braunschweig
13.01.18

Pröpstin Uta Hirschler am 13. Januar 2018 in der nb

Bedeutsam

„Es ist vorbei!“ Die Wahrheit dieser Feststellung gilt für alles Vergangene. Nur hängt einem Menschen so manches schmerzlich Erlebte noch nach. Es wird vergegenwärtigt, ohne dass die Person es vorbei sein lassen könnte.
In Camus´ Erinnerungen „Der erste Mensch“ ist es der Erzähler, der noch die Schläge der Großmutter spürt und neue Gefahr wittert. Mit den Worten „Es ist vorbei!“ beendet die Mutter den Nachhall des Schmerzes und schenkt ihm Trost. Diese Szene ließ neulich im Theater lebendig und begreifbar werden, dass größte Sicherheit in solch einem kleinen Moment zu finden ist. Da gab oder gibt es eine Person, der nicht egal ist, wie es dem Leidenden geht. Schon verliert der Schmerz seine Macht, ist das Schwere überwunden. Aus dem Mitgefühl und der gelungenen Rettung in die Gegenwart entstehen Verbundenheit und Sicherheit. Die Zuschauer erleben mit, wie die Mutter in diesem Moment bedeutsam geworden ist, und dürfen selbst begreifen: Es ist ein Geschenk, wenn Menschen anderen bedeutsam werden.
Im Alltag des Lebens vermögen ganz unterschiedliche Worte oder Gesten Menschen aus der vergegenwärtigten Vergangenheit zu reißen und sie in die Gegenwart zurückzuholen. Ebenso unterschiedlich sind die Worte, Bilder und Mächte, die in Menschen Vergangenes wieder lebendig werden lassen und sie unnötig in deren Schmerz und Sorgen fesseln. Manche Fakten und Aussichten schaffen es, Menschen zu verunsichern. Manche Behauptung und Provokation spielt damit, Ängste der Vergangenheit heraufzubeschwören.
Faszinierend und wohltuend ist es, im Theater gastweise diesen Moment rettender Verbundenheit mitzuerleben und sich erinnern zu lassen, dass es wie ein Rezept gegen Verunsicherung und Angst wirkt, diese Freude und Verbundenheit in sich zu bewahren.
Nichts anders tut übrigens, wer das Psalmwort betet: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Verfasser: Pröpstin Uta Hirschler