Propstei Braunschweig
14.04.18

Pröpstin Uta Hirschler am 14. April 2018 in der nb

Kriegsfolgen

Es ist der 50. Jahrestag vom Attentag auf Rudi Dutschke. Den ganzen Tag laufen im Radio Informationen über die Ereignisse; über politische und gesellschaftliche Stimmungen gut zwanzig Jahre nach Kriegsende, über Studentenaktivitäten und Folgen des Attentates.
Das alles hat die Gesellschaft verändert und mein Leben wesentlich bestimmt, obwohl ich selbst keinerlei eigene Erinnerungen damit verbinde. Dennoch setzt die Information über die bevorstehende Evakuierung am späten Nachmittag sofort sehr viel mehr in Bewegung. In Windeseile sind die Schlafsäcke und Übernachtungssachen gepackt. Was liegt am nächs-ten Tag dienstlich an, welche Fächer müssen die Kinder für die Schule bedenken? Diese Sachen zu packen dauert länger und kann viel schwerer Eine für die Andere erledigen. Als wir endlich aufgebrochen sind und im Haus der Freunde ankommen, hören wir von unseren Gastgebern nur, dass sie sich gleich mit dem ersten Hören der Mel-dung auf uns eingestellt hatten:
Für unsere Gastgeber und uns ist es ein schönes Déjà-vu – die letzte Evakuierungsaktion ist noch in bester Erinnerung. Damals haben wir alle so unvermutet einen netten Abend miteinander genossen. Kaum zu fassen, dass seither mehr als zweieinhalb Jahre vergangen sind. Besonders zu denen, die an diesem Abend alle nötigen Dienstleistungen erbringen, wandern die Gedanken: Menschen haben Klinik und Altenheim evakuiert, die Menschen aus ihren Vierteln gebeten und natürlich die Bombe entschärft. Hochachtung erfüllt uns vor Menschen, die alltäglich ihren Beruf in Lebensgefahr ausüben. 73 Jahre nach Kriegsende liegen noch Bomben in unserer Stadt. Sie mahnen deutlich: Krieg hat unkalkulierbare und langandauernde Folgen. Frieden zu suchen, ist unbedingt nötig.

Verfasser: Uta Hirschler