Propstei Braunschweig
07.07.18

Unterstützung Notleidender ist eine Herzensangelegenheit

Helfen, zuhören, trösten – als ehrenamtliche Notfallseelsorgerin ist Susanne Bollonia in akuten Krisen zur Stelle

Einfühlsame Begleitung: Notfallseelsorgerin Susanne Bollonia kümmert sich um das Opfer eines Verkehrsunfalls.

Sie begleiten Hinterbliebene, stehen Sterbenden zur Seite, betreuen Unfallopfer: Notfallseelsorger sind immer dann zur Stelle, wenn die Welt aus den Fugen gerät. Seit 2015 gehört Susanne Bollonia zum Team der Braunschweiger Notfallseelsorger, deren Mitglieder von der Leitstelle der Feuerwehr und des Rettungsdienstes allein 2017 rund 200 Mal alarmiert worden sind. Mehr als 60 Mal ist sie im vergangenen Jahr zu Einsätzen gerufen worden, hat Menschen betreut, deren Angehörige nicht mehr leben wollten oder trotz einer Reanimation gestorben sind. Und sie hat sich um Opfer häuslicher Gewalt gekümmert, hat zugehört, getröstet, Kinder versorgt, Verletzte ins Krankenhaus begleitet, Hilfe organisiert. Ein harter Job. „Oft weiß ich erst vor Ort, was mich genau erwartet“, sagt Susanne Bollonia.
Doch für die Mutter zweier Kinder ist die Unterstützung Notleidender eine Herzensangelegenheit: „Es ist einfach meine Bestimmung.“ Schon als 18-Jährige hat sie leidvolle Erfahrungen gemacht und wurde durch den plötzlichen Tod ihres Freundes mit dem Thema Sterben konfrontiert. Dabei hat sie erlebt, wie wichtig es in einer derartigen Situation ist, nicht allein zu sein. „In unserer Gesellschaft wird das Thema Tod zu sehr gedeckelt“, so die Erfahrung von Susanne Bollonia.
In ihrem Leben war das Tabu-Thema dagegen immer präsent. Mehrere Jahre hat sie in einem Bestattungshaus gearbeitet und Trauerfeiern begleitet: „Ich habe getan, was mir am Herzen lag und dabei habe ich wieder zu Gott gefunden.“ Bei einer fast einjährige Ausbildung zur Notfallseelsorgerin hat sie viel über sich gelernt, wurde in Kommunikationstechniken geschult, hat Wissenswertes über psychische Erkrankungen erfahren, über die Entwicklung von Kindern oder über den Umgang mit Menschen, die Suizidgefährdet sind. Nach einem Praktikum im Rettungsdienst hat Susanne Bollonia ihren ersten Einsatz absolviert. „Ich war zuerst ganz aufgeregt und wusste nicht, ob ich der Situation gewachsen sein würde“, erinnert sie sich.
Mittlerweile weiß sie, dass die Notfallseelsorge genau ihr Ding ist. Allerdings wünscht sie sich mehr Anerkennung und eine finanzielle Entlastung der Ehrenamtlichen, die rund um die Uhr erreichbar sind.


Info
Die Notfallseelsorge, Pfarrer Olaf Engelbrecht, ist über die Feuerwehr erreichbar, Telefon 0531-2345-226. Er nimmt diese Aufgabe für die Propstei Braunschweig wahr. Wer eine Ausbildung zum Notfallseelsorger absolvieren will, muss mindestens 23 Jahre alt sein, eine abgeschlossene Ausbildung und den Führerschein haben.


Verfasser: Rosemarie Garbe